3. trimester

Nachdem ich diese Woche in den 10. (den 10.!) Monat meiner Schwangerschaft starte, wird es Zeit, auch zum 3. Trimester ein paar Gedanken mit euch zu teilen – und mir macht es das Warten einfacher 😉 Es sind doch tatsächlich nur noch +/- 28 Tage bis unser kleines Mädchen endlich bei uns ist.

img_9866Inzwischen bin ich Team Wal. Aus der Murmel ist eine stattliche Kugel geworden und ich bin immer noch fasziniert, wenn ich nicht nur spüren kann, dass sie sich regt – sondern wenn auch nach außen eine deutliche Beule sichtbar ist. Ein Mensch in sich wachsen zu spüren ist das eindeutig schönste Gefühl. Auch wenn ich manchmal an mir runterblicke und der kleinen Dame freundlich zu verstehen gebe, dass ihr Hintern unter meinen Rippen nicht so angenehm ist oder dass sie bitte bitte bitte aufhören soll, mir meine Blase zu massieren. Ist ja nur lieb gemeint von ihr, ich weiß – außerdem hat sie langsam ja immer weniger Platz.

Körperlich wird es trotzdem langsam wirklich anstrengend. Sitzen ist anstrengend, stehen ist anstrengend, laufen ist anstrengend und liegend brauche ich eine Weile, bis ich eine Position gefunden habe, die uns beiden passt. Der Schuhlöffel ist mein bester Freund, ich komm sonst tatsächlich nicht mehr an meine (wasser-aufgequollenen) Füße ran. Beine rasieren? Nägel lackieren? Völlig überbewertet – es ist Winter. Ich bin wirklich froh, dass ich nicht mehr arbeite und mich voll und ganz aufs Mama-Werden konzentrieren kann. Hinzu kommt auch, dass ich mit näherrückendem Entbindungstermin eine Art ’soziale Unlust‘ entwickle und mich so noch lieber auf der Couch verkrieche – oder ins Kinderzimmer. Kliniktasche zum hundertsten mal checken, Wickelkommode bestaunen, kleine Jäckchen zurecht legen.

Nestbautrieb nennt man das also und ja – den kenn ich. Da wird der Mann mit 10 neuen ‚Hey, kannst du noch eben das…‘ oder ‚Du müsstest aber vorher noch dies…‘ bombardiert, sobald er nach der Arbeit die Wohnung betritt. Ich weiß zwischendurch gar nicht wohin mit meiner Kreativität und freue mich tierisch, neue Dinge zu entwerfen, zu zeichnen, in Druck zu geben, etc. – meistens natürlich ganz von der Couch aus. Das funktioniert prima.

Wir sind in der Klinik angemeldet, die Tasche ist gepackt, Hebamme/Arzt seh ich alle 2 Wochen, die Fragen und Vorstellungen zur Geburt werden immer definierter und alles wird von Tag zu Tag realer.

Vor der Geburt hab ich keine Angst. Wirklich nicht. Ich freue mich. Ja, ich hab Respekt, aber ich freue mich. Ich bin Frau, mein Körper weiß, was zu tun sein wird. Und ich vertraue mir zu 100%. Außerdem hab ich einen fantastischen Mann an meiner Seite, dem ich ebenfalls zu 100% vertraue – dem ich mich zu 100% an-vertraue – weil er mich kennt und inzwischen so gut abschätzen kann, was ich wann brauche, dass ich manchmal sogar verwundert bin, woher er das denn so gut weiß. Und vor allem – weil ich meiner Tochter vertraue, weil sie am allerbesten weiß, wann sie kommen möchte und was ich schaffen kann.

Mal sehen wie oft ihr noch von mir hört, bevor die kleine Madame aus ihrer 1-Zimmer Wohnung aus- und in unsere Arme einzieht. Dabei will ich doch noch teilen, was ich so gelernt habe in dieser Schwangerschaft, was hilft und was völliger Quatsch ist und ein paar Dinge, die keine Schwangere hören will.

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1. trimester

Eines mal vorweg. Egal ob eine Schwangerschaft geplant ist – wie man das eben planen kann – oder nicht, ein positiver Schwangerschaftstest in den Händen stellt die ganze Welt sofort auf den Kopf. An besagtem Samstag im Juni (mir war eigentlich klar, dass ich schwanger bin) hielt ich den Test in der Hand, der innerhalb von Sekunden deutlich positiv war und bin mit wackligen Knien und ohne Hose und Tränchen in den Augen zitternd zum Papa, der vor dem Bad im Flur stand. Das hätte mal einer sehen sollen. Ruck zuck überschlugen sich die Gedanken, waaaaaas, ehrlich jetzt, oh weh, oh wie schön, OH VERDAMMT WAS SOLL DAS WERDEN, aaaaah ich werde Mama, wie schöööööön, wir kriegen ein Baby, aber AAAAAH, das ist so viel Verantwortung und das Leben, das wir bis jetzt hatten, ist vorbei und aber das neue wird so toll werden und …. img_8352Ganz zuversichtlich entschloss ich mich dann dazu, nicht durchzudrehen, noch ein paar Tage zu warten, dann erneut zu testen und sollte dieser Test wieder positiv sein, gegen Ende der Woche beim Arzt anzurufen. Haha. Ich hab zwei Tage später gleich erneut getestet, der Test wurde viel schneller und viel deutlicher positiv, also ich sofort beim Arzt angerufen. „Ja äh hallo, ähm, also, ich bräuchte einen Termin.“ „Ok, worum geht es denn?“ „Ja, ähm, also, ich glaube, dass, also ich denke, also ich bin schwanger, glaube ich.“ 🙂 so ungefähr lief das ab. Zwei Tage später saß ich beim Arzt und sah doch tatsächlich eine klitzekleine Fruchthöhle auf dem Ultraschall. Zu diesem Zeitpunkt war ich in der 5. Woche. (An dem Tag hab ich beim Arzt vor der Praxis doch auch gleich nen Strafzettel bekommen – den hab ich heute noch)

IMG_8450.JPGIn der 8. Woche hat dich dann auch der Papa zum ersten Mal gesehen. Ganz vorsichtig ist er in der Frauenarztpraxis umhergeschlichen (unbekanntes Terrain und so) und war auch beim Ultraschall ganz still und hat ganz gebannt auf den Bildschirm geschaut und das kleine blubbernde Herzchen nicht aus den Augen gelassen. Als wir aus der Praxis wieder draußen waren, konnte er nicht mehr aufhören zu reden. „Hast du das gesehen? Wie groß es schon ist. Und wie schnell das Herz schlägt. Und wie schnell es wächst. Und es ist gar kein Sesamkorn mehr. [So groß war sie etwa, als wir von der Schwangerschaft erfahren haben]. Es ist tatsächlich schon etwa so groß wie eine Himbeere. Wir werden Eltern. Und hast du das Herzchen gesehen?“

Die Reaktion auf den positiven Test war also meine erste Begegnung mit den Hormonen – es müssen die Hormone gewesen sein – und die sind inzwischen meine besten Freunde. Meine Gefühle fahren die aufregendsten Achterbahnen der Welt. Täglich. Mehrmals. Inzwischen genügt ein kläglich gekrächztes  „Hormone“ an meinen Mann, da weiß er sofort was los ist. Schnell in seine Arme und mit seinem Herzschlag im Ohr und einer strampelnden Dame im Bauch die Welt kurz vergessen.

Kurz nach der kleinen Bohne und den Hormonen zog auch die Übelkeit bei mir ein. Ja das war was. Anstrengend vor allem war das. Ich war Profi. Ich wusste, was ich wann zu essen habe. Und ich wusste auch, welche Lebensmittel „gut wieder rauskommen“. Sorry für die Details. Aber die Geruchsempfindlichkeit und die Übelkeit haben mich tatsächlich ganz schön in die Knie gezwungen. Die offene Kühlschranktür hab ich vom Flur aus gerochen – kein Scherz – und ich hatte eine unglaubliche Abneigung gegen Salz. Was mir ein bisschen geholfen hat – zumindest bilde ich mir das ein – waren Akupressurbänder für die Handgelenke und ein homoöpathisches Mittel. Schließlich war ich gerade mittendrin im Schreiben meiner BA Arbeit. Es wurde von Woche zu Woche besser. Und ich weiß auch, dass der Kopf da eine ganz große Rolle spielt. Die Ungewissheit, ob das alles gut geht, ob dem Krümel nicht doch noch was passiert, ob ich es schaffe die Bachelorarbeit pünktlich abzugeben, ob wir das überhaupt schaffen, dieses Eltern-Werden. Aber hey – Stichtag Woche 13 und alles war vorbei.

Was meiner BA Arbeit natürlich auch sehr geholfen hat – nicht – war die ständige Müdigkeit. Was sag ich, völlige Erschöpfung. 1-2 Stunden Energie und dann absoluter Nullpunkt, zum Schlaf gezwungen. Es gab also den normalen Schlaf, dann aufstehen, dann ein Vormittagsschläfchen, dann ne Stunde wach, dann n Mittagsschläfchen (für lockere 2-3 Stunden) und dann abends noch ein paar Stunden wach, bevors so um 9 wieder ins Bett ging. Hui. Jetzt so rückblickend weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, wie ich die Abschlussarbeit überhaupt pünktlich hab abgeben können.

Wenn ich jetzt auf die ersten 12. Wochen unserer Zeit mit der kleinen Dame zurückblicke, dann denke ich zuerst, dass das schon Ewigkeiten her ist. Das ist schon so weit weg. Ich glaube aber, dass das daran liegt, dass sich jeden Tag einfach unendlich viel verändert. Ich mich. Er sich. Und natürlich die Kleine sich. Und wir uns. Und das Leben ist ja auch noch da. Alles ist einfach anders. So groß. Und so schön. Und mit so viel Liebe. Vorfreude ist  bekanntlich die schönste Freude und wir leben diese Vorfreude seit dem Tag des positiven Tests.