von 0 auf Mama in…

… na gut. 40 Stunden. 40 Stunden Wehen. Auf und ab spazieren. Atmen. Festhalten. Baden. Fluchen. Hände halten. Schreien. Durchhalten.

Und plötzlich bist du da. Ganz nah bei mir. Bei mir. Deiner Mama. Ich weine. Vor Erleichterung, vor Stolz, vor so unfassbar viel Liebe. Das Leben ist schlagartig ein anderes. Du – unsere Tochter – hast die Welt auf den Kopf gestellt. Und wir stellen fest, dass sie so herum viel besser aussieht. Wie war das denn nochmal vorher?

Ich komme jetzt mit weniger Schlaf aus. Ich liebe es, wenn ich dich stille und deine kleine Hand nach meinem Finger greift. Wenn du träumst und deine Schnute so verziehst. Wenn der Papa dich durch die Wohnung trägt und dir Dinge erzählt, „Schau Schatz, das ist die Pinnwand und hier drüben – das ist der Gaszähler“ und du ihn ganz aufmerksam mit deinen großen Augen anstrahlst – ach ich könnte stundenlang nur schauen und staunen. Du wirst ruhig, wenn du auf meiner Brust einschläfst. Du reagierst auf meine Stimme. Und du wirst immer aktiver. Schaust mit deinen Augen die Welt an und dann wieder mich – als würdest du mir tausend Dinge erzählen und mich in deine Welt mitnehmen wollen. Ich kann es kaum erwarten, dir die Welt zu zeigen.

Ich hatte 40 Wochen (+12 ganz schön lange extra Tage) Zeit, mich darauf vorzubereiten, mir vorzustellen, wie das so werden könnte mit Kind, als Mama, als Familie. Man sollte also meinen, dass ich bestens gewappnet war. Pah – nicht den Hauch einer Ahnung hatte ich. Es ist wundervoll. Es ist anstrengend, aufregend, neu, überwältigend und es ist so so wundervoll.

Ela. 13. März 2017. 13:51.

3. trimester

Nachdem ich diese Woche in den 10. (den 10.!) Monat meiner Schwangerschaft starte, wird es Zeit, auch zum 3. Trimester ein paar Gedanken mit euch zu teilen – und mir macht es das Warten einfacher 😉 Es sind doch tatsächlich nur noch +/- 28 Tage bis unser kleines Mädchen endlich bei uns ist.

img_9866Inzwischen bin ich Team Wal. Aus der Murmel ist eine stattliche Kugel geworden und ich bin immer noch fasziniert, wenn ich nicht nur spüren kann, dass sie sich regt – sondern wenn auch nach außen eine deutliche Beule sichtbar ist. Ein Mensch in sich wachsen zu spüren ist das eindeutig schönste Gefühl. Auch wenn ich manchmal an mir runterblicke und der kleinen Dame freundlich zu verstehen gebe, dass ihr Hintern unter meinen Rippen nicht so angenehm ist oder dass sie bitte bitte bitte aufhören soll, mir meine Blase zu massieren. Ist ja nur lieb gemeint von ihr, ich weiß – außerdem hat sie langsam ja immer weniger Platz.

Körperlich wird es trotzdem langsam wirklich anstrengend. Sitzen ist anstrengend, stehen ist anstrengend, laufen ist anstrengend und liegend brauche ich eine Weile, bis ich eine Position gefunden habe, die uns beiden passt. Der Schuhlöffel ist mein bester Freund, ich komm sonst tatsächlich nicht mehr an meine (wasser-aufgequollenen) Füße ran. Beine rasieren? Nägel lackieren? Völlig überbewertet – es ist Winter. Ich bin wirklich froh, dass ich nicht mehr arbeite und mich voll und ganz aufs Mama-Werden konzentrieren kann. Hinzu kommt auch, dass ich mit näherrückendem Entbindungstermin eine Art ’soziale Unlust‘ entwickle und mich so noch lieber auf der Couch verkrieche – oder ins Kinderzimmer. Kliniktasche zum hundertsten mal checken, Wickelkommode bestaunen, kleine Jäckchen zurecht legen.

Nestbautrieb nennt man das also und ja – den kenn ich. Da wird der Mann mit 10 neuen ‚Hey, kannst du noch eben das…‘ oder ‚Du müsstest aber vorher noch dies…‘ bombardiert, sobald er nach der Arbeit die Wohnung betritt. Ich weiß zwischendurch gar nicht wohin mit meiner Kreativität und freue mich tierisch, neue Dinge zu entwerfen, zu zeichnen, in Druck zu geben, etc. – meistens natürlich ganz von der Couch aus. Das funktioniert prima.

Wir sind in der Klinik angemeldet, die Tasche ist gepackt, Hebamme/Arzt seh ich alle 2 Wochen, die Fragen und Vorstellungen zur Geburt werden immer definierter und alles wird von Tag zu Tag realer.

Vor der Geburt hab ich keine Angst. Wirklich nicht. Ich freue mich. Ja, ich hab Respekt, aber ich freue mich. Ich bin Frau, mein Körper weiß, was zu tun sein wird. Und ich vertraue mir zu 100%. Außerdem hab ich einen fantastischen Mann an meiner Seite, dem ich ebenfalls zu 100% vertraue – dem ich mich zu 100% an-vertraue – weil er mich kennt und inzwischen so gut abschätzen kann, was ich wann brauche, dass ich manchmal sogar verwundert bin, woher er das denn so gut weiß. Und vor allem – weil ich meiner Tochter vertraue, weil sie am allerbesten weiß, wann sie kommen möchte und was ich schaffen kann.

Mal sehen wie oft ihr noch von mir hört, bevor die kleine Madame aus ihrer 1-Zimmer Wohnung aus- und in unsere Arme einzieht. Dabei will ich doch noch teilen, was ich so gelernt habe in dieser Schwangerschaft, was hilft und was völliger Quatsch ist und ein paar Dinge, die keine Schwangere hören will.

2. trimester

Das zweite Trimester. Ach das war schön. Die Übelkeit war weg, mein Bauch wird eine kleine Murmel und auch Außenstehende sehen langsam, dass das nicht nur zu viel Eis war.

img_8606So langsam wird alles viel realer. Ich werde Mama. Ich werde im Alltag vorsichtiger, ich werde ein kleines bisschen zur Löwin, wenn Leute ungefragt an meinen Bauch langen. Den Mutterpass und die Bilder vom Ultraschall trage ich wie einen Pokal immer bei mir – ich bin stolz wie Bolle und könnte die ganze Welt umarmen. Dass da jetzt schon so viel Liebe für jemanden ist, der noch nicht mal da ist, es ist unglaublich.

Ab Herbst hab ich dann auch 1x wöchentlich Schwangerschaftsyoga. Ich erinnere mich noch an die erste Stunde, da hab ich noch nichts gespürt und bei der Vorstellungsrunde noch gesagt, dass ich jetzt erst so komplett mit Kopf und Körper in der Schwangerschaft ankomme. In der zweiten oder dritten Stunde konnte ich dann bei der Vorstellungsrunde ganz stolz verkünden, dass ich jetzt endlich etwas spüre. Ein sanftes Blubbern, als würden kleine Seifenblasen in mir aufsteigen und platzen. Es ist noch so ungewohnt und doch so schön.

Sich wöchentlich mit den Mädels auszutauschen, die in der gleichen Situation stecken tut mir persönlich unendlich gut. Es ist wie das endgültige Ankommen im Mama-Werden. Beschwerden sind dann nicht mehr ganz so ‚Mensch, du bist nur schwanger, jetzt stell dich nicht so an‘, sondern sind real und Teil dieser rießigen Veränderung. Auch wenn ich vorher schon Erfahrungen im Yoga hatte, es ist wirklich interessant zu sehen, dass manches mit der Zeit nicht mehr so einfach wird. Am Anfang lagen wir ausnahmslos bei der Meditation auf dem Rücken, Woche für Woche drehen sich immer mehr Mädels – ich eingeschlossen – auf die Seite, wir brauchen immer mehr Stillkissen, und das Geächze beim Aufstehen wird immer lauter 😀 Noch dazu entstehen echt super Freundschaften, wir treffen uns auch heute noch alle 2 Wochen – auch wenn wir langsam immer weniger werden, weil wir jetzt nacheinander ja alle entbinden 🙂

Ungefähr um die gleiche Zeit erfahren wir – endlich endlich endlich – dass du ein Mädchen bist. Ich hatte das irgendwie von Anfang an im Gefühl, aber Madame hat sich bei den Ultraschall-Untersuchungen immer so geziert und ganz geschickt die Beine verschränkt. Der werdende Papa meinte schon ‚Also wenn se sich so anstellt – dann kann das nur ein Mädchen werden‘ – und er sollte Recht behalten. Und dann spürt dich Papa auch zum ersten Mal. Ich spür sie, schnapp mir die Hand vom Papa, leg sie mir auf den Bauch und dann kommt ein kleiner Tritt, ich fang sofort an zu weinen und schau ihn nur so stolz an – und er strahlt genauso stolz zurück.

Auch etwa zeitgleich entscheiden wir uns, zu heiraten. Noch so was Schönes. Hui. Es ist alles so so so groß und trotzdem ist da nur die pure Vorfreude auf das Leben zu zweit, auf das Leben als Ehepartner, als Eltern, auf gemeinsames die Welt erkunden, auf noch so viele Abenteuer. Ich will die ganze Welt umarmen. Wie sich das anhört, so richtig kitschig und manche werden sich wahrscheinlich wundern, was denn jetzt plötzlich mit mir los ist – einfach auf die Hormone schieben, die sind nämlich auch im 2. Trimester noch da (und im 3. erst!), aber die kenn ich ja schon und weiß perfekt damit umzugehen.

In der Zeit sehen wir auch noch ein bisschen von der Welt, Leipzig, Pilsen, Sizilien, London – aber das wird ein eigener Eintrag 🙂

2017.

Ich bin wieder hier. Letztes Jahr begann auf meinem Blog noch ganz ‚vielversprechend‘ – ich hab relativ viel von mir hören lassen. Und dann war plötzlich Ruhe. Ich hab meine BA Arbeit geschrieben (und abgegeben und bestanden und yaaaay und tschüß Uni!!) und – ich wurde schwanger. 2016 war also alles andere als ein ruhiges Jahr.

Ich werde Mama. Mama werden. Hui. Erstmal durchatmen. Das ist doch ganz schön groß und so unendlich aufregend, von Tag zu Tag.

Und jetzt? Anfang 2017 und ich bin im 9. Monat, es sind nur noch wenige Wochen bis du endlich endlich bei uns bist. Du, die du uns schon ganz schön auf Trab hältst. Du, die du die Mama in den ersten 3 Monaten ganz schön oft ins Bad gescheucht hast. Die du dem Papa klitzekleine Tränen in die Augen gezaubert hast, als er das erste mal gespürt hat, dass du da bist. Dank dir durfte ich mich jeden Tag neu als Frau, als Mama, kennen lernen. Und das ist jetzt schon das größte Geschenk, was mir je jemand gemacht hat. 

Es hat sich viel geändert. Das ganze Leben stellt sich auf den Kopf. Du bist der Grund, dass manch vermeintlich große Dinge plötzlich nichtssagend und klitzeklein sind während klitzekleine Dinge – nämlich du – plötzlich die Welt bedeuten. Schon im Sommer, in den ersten Wochen meiner Schwangerschaft, habe ich was essentielles gelernt. Verantwortung zu übernehmen und diese auch gleichzeitig abzugeben. In dich zu vertrauen. Was du da so machst mit meinem Körper hat alles seinen Grund. Und wenn das heißt, dass ich eben jeden Tag 2.5 Stunden Mittagsschlaf machen muss, weil ich sonst die Augen nicht mehr aufhalten kann, dann ist das eben so. Oder wenn du mich täglich mehrmals ins Bad scheuchst. Hui. Anstrengend ist das trotzdem. Aber es ist auch so so schön. Zu sehen, was sich alles verändert. In mir und in uns als Paar.

Da ich jetzt also hier mit einer ganz schön großen Kugel auf der Couch rumliege und noch ein paar Wochen auf unser kleines Mädchen warte, img_7449werde ich immer mal ein bisschen von der Schwangerschaft berichten. Wie sich das so anfühlt im 1. Trimester, bis die magische 12 Wochen-Grenze erreicht ist. Oder das traumhafte 2. Trimester, in dem ich die ganze Welt hätte knutschen können vor lauter Glück (und in der wir auch tatsächlich noch die Welt gesehen haben) – oder natürlich aus dem jetzigem 3. Trimester, wie es so ist, hochschwanger zu heiraten und warum der Schuhlöffel mein bester Freund geworden ist.

Und keine Sorge – die Reiseseele in mir, die diesen Blog so brav gefüttert hat ist immer noch da. Und ich hab mir fest vorgenommen, euch auch weiterhin von meinen Reisen zu berichten, ich habe da nämlich längst noch nicht alles erzählt. Aber jetzt ist es eben erstmal diese Reise. Unsere bisher größte. Zwischen all dem Windelgelaber und Muttermilchgedichten werde ich definitiv auch immer mal ein bisschen von der Welt berichten – zumindest hab ich das fest vor, garantieren kann ich für nichts, Hormone und so 😉