warten.

Hallo Woche 38. Noch etwa 3 Wochen. Hier wird es immer ruhiger. Mama verzieht sich immer mehr auf die Couch. Konzentriert sich auf die kleine – große – Murmel. Ich versuche gerade jetzt, mir ganz genau einzuprägen, wie es sich anfühlt, wenn sie sich bewegt, wie sich das Leben so anfühlt mit Bauch. Ich freu mich wahnsinnig, wenn die Kleine endlich bei uns ist. Und dennoch möchte ich ganz ganz lange wissen, wie sich schwanger sein anfühlt. Auch wenn ich das Mädchen dann im Arm habe.

Schwanger sein heißt warten können. Warten können heißt Kontrolle abgeben. Ich hab das schon ganz am Anfang der Schwangerschaft gelernt. Es ist ein Lernprozess, Akzeptanz, die Kontrolle abzugeben. Ich bin müde, dann geh ich ins Bett, auch wenns noch vor dem Mittagessen ist. Im Nebenjob brauch ich zwischen den Schichten 1 Tag Pause. Schuhe anziehen geht nur im Sitzen und/oder mit Schuhlöffel. Von den 4 Punkten auf meiner To-Do-Liste für den Ausflug in die Stadt schaffe ich nur 1 oder 2. Die Kondition für längere Strecken fehlt. Oben in der Wohnung angekommen, muss ich mich erstmal ein paar Minuten setzen. Nachts durchschlafen war mal.

img_0178Und dann kommt der Spruch ‚Du bist nicht krank, du bist doch nur schwanger‘. Ja. Aber das kleine ’nur‘ kann man getrost weglassen. Ich bin nicht krank, ich bin schwanger. Mein Körper leistet Höchstleistungen – er versorgt nicht nur mich, sondern noch jemanden. Jemanden der innerhalb von Wochen (am Anfang) auf das doppelte, dreifache, vierfache wächst. Der auf einmal sehen kann, hören kann, auf Papas Stimme reagiert. Da werden Hormone in solchen Mengen produziert, von denen ich nicht mal wusste, dass das möglich ist. Mein Körper versorgt uns beide rund um die Uhr, da ist es doch völlig legitim, dass ich manchmal – körperlich und auch emotional – an meine Grenzen stoße, diese kennen lerne und lerne, richtig zu reagieren. Und im besten Fall, bevor mein Körper reagiert. Bevor der Bauch hart wird oder ich unkontrolliert in Tränen ausbreche. Bevor ich den Mann anfahre, der doch überhaupt gar nicht weiß, warum ich in nur einer Minisekunde von 0 auf 180 fahre, wo er doch gerade mal nur diese eine Minisekunde zu Hause und die Tür noch nicht mal zu ist.

Aber wenn man sich dann mal einen ruhigen Moment schnappt und sich überlegt, wie wahnsinnig wundervoll all das ist, was da in mir und in uns und um uns passiert – dann ist es plötzlich viel einfacher, die Kontrolle abzugeben und Vertrauen zu gewinnen. Vertrauen in meine Tochter, die nämlich genau weiß, was sie wann tut, wann sie was von mir einfordert und was ich alles schaffen kann. 

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3. trimester

Nachdem ich diese Woche in den 10. (den 10.!) Monat meiner Schwangerschaft starte, wird es Zeit, auch zum 3. Trimester ein paar Gedanken mit euch zu teilen – und mir macht es das Warten einfacher 😉 Es sind doch tatsächlich nur noch +/- 28 Tage bis unser kleines Mädchen endlich bei uns ist.

img_9866Inzwischen bin ich Team Wal. Aus der Murmel ist eine stattliche Kugel geworden und ich bin immer noch fasziniert, wenn ich nicht nur spüren kann, dass sie sich regt – sondern wenn auch nach außen eine deutliche Beule sichtbar ist. Ein Mensch in sich wachsen zu spüren ist das eindeutig schönste Gefühl. Auch wenn ich manchmal an mir runterblicke und der kleinen Dame freundlich zu verstehen gebe, dass ihr Hintern unter meinen Rippen nicht so angenehm ist oder dass sie bitte bitte bitte aufhören soll, mir meine Blase zu massieren. Ist ja nur lieb gemeint von ihr, ich weiß – außerdem hat sie langsam ja immer weniger Platz.

Körperlich wird es trotzdem langsam wirklich anstrengend. Sitzen ist anstrengend, stehen ist anstrengend, laufen ist anstrengend und liegend brauche ich eine Weile, bis ich eine Position gefunden habe, die uns beiden passt. Der Schuhlöffel ist mein bester Freund, ich komm sonst tatsächlich nicht mehr an meine (wasser-aufgequollenen) Füße ran. Beine rasieren? Nägel lackieren? Völlig überbewertet – es ist Winter. Ich bin wirklich froh, dass ich nicht mehr arbeite und mich voll und ganz aufs Mama-Werden konzentrieren kann. Hinzu kommt auch, dass ich mit näherrückendem Entbindungstermin eine Art ’soziale Unlust‘ entwickle und mich so noch lieber auf der Couch verkrieche – oder ins Kinderzimmer. Kliniktasche zum hundertsten mal checken, Wickelkommode bestaunen, kleine Jäckchen zurecht legen.

Nestbautrieb nennt man das also und ja – den kenn ich. Da wird der Mann mit 10 neuen ‚Hey, kannst du noch eben das…‘ oder ‚Du müsstest aber vorher noch dies…‘ bombardiert, sobald er nach der Arbeit die Wohnung betritt. Ich weiß zwischendurch gar nicht wohin mit meiner Kreativität und freue mich tierisch, neue Dinge zu entwerfen, zu zeichnen, in Druck zu geben, etc. – meistens natürlich ganz von der Couch aus. Das funktioniert prima.

Wir sind in der Klinik angemeldet, die Tasche ist gepackt, Hebamme/Arzt seh ich alle 2 Wochen, die Fragen und Vorstellungen zur Geburt werden immer definierter und alles wird von Tag zu Tag realer.

Vor der Geburt hab ich keine Angst. Wirklich nicht. Ich freue mich. Ja, ich hab Respekt, aber ich freue mich. Ich bin Frau, mein Körper weiß, was zu tun sein wird. Und ich vertraue mir zu 100%. Außerdem hab ich einen fantastischen Mann an meiner Seite, dem ich ebenfalls zu 100% vertraue – dem ich mich zu 100% an-vertraue – weil er mich kennt und inzwischen so gut abschätzen kann, was ich wann brauche, dass ich manchmal sogar verwundert bin, woher er das denn so gut weiß. Und vor allem – weil ich meiner Tochter vertraue, weil sie am allerbesten weiß, wann sie kommen möchte und was ich schaffen kann.

Mal sehen wie oft ihr noch von mir hört, bevor die kleine Madame aus ihrer 1-Zimmer Wohnung aus- und in unsere Arme einzieht. Dabei will ich doch noch teilen, was ich so gelernt habe in dieser Schwangerschaft, was hilft und was völliger Quatsch ist und ein paar Dinge, die keine Schwangere hören will.