warten.

Hallo Woche 38. Noch etwa 3 Wochen. Hier wird es immer ruhiger. Mama verzieht sich immer mehr auf die Couch. Konzentriert sich auf die kleine – große – Murmel. Ich versuche gerade jetzt, mir ganz genau einzuprägen, wie es sich anfühlt, wenn sie sich bewegt, wie sich das Leben so anfühlt mit Bauch. Ich freu mich wahnsinnig, wenn die Kleine endlich bei uns ist. Und dennoch möchte ich ganz ganz lange wissen, wie sich schwanger sein anfühlt. Auch wenn ich das Mädchen dann im Arm habe.

Schwanger sein heißt warten können. Warten können heißt Kontrolle abgeben. Ich hab das schon ganz am Anfang der Schwangerschaft gelernt. Es ist ein Lernprozess, Akzeptanz, die Kontrolle abzugeben. Ich bin müde, dann geh ich ins Bett, auch wenns noch vor dem Mittagessen ist. Im Nebenjob brauch ich zwischen den Schichten 1 Tag Pause. Schuhe anziehen geht nur im Sitzen und/oder mit Schuhlöffel. Von den 4 Punkten auf meiner To-Do-Liste für den Ausflug in die Stadt schaffe ich nur 1 oder 2. Die Kondition für längere Strecken fehlt. Oben in der Wohnung angekommen, muss ich mich erstmal ein paar Minuten setzen. Nachts durchschlafen war mal.

img_0178Und dann kommt der Spruch ‚Du bist nicht krank, du bist doch nur schwanger‘. Ja. Aber das kleine ’nur‘ kann man getrost weglassen. Ich bin nicht krank, ich bin schwanger. Mein Körper leistet Höchstleistungen – er versorgt nicht nur mich, sondern noch jemanden. Jemanden der innerhalb von Wochen (am Anfang) auf das doppelte, dreifache, vierfache wächst. Der auf einmal sehen kann, hören kann, auf Papas Stimme reagiert. Da werden Hormone in solchen Mengen produziert, von denen ich nicht mal wusste, dass das möglich ist. Mein Körper versorgt uns beide rund um die Uhr, da ist es doch völlig legitim, dass ich manchmal – körperlich und auch emotional – an meine Grenzen stoße, diese kennen lerne und lerne, richtig zu reagieren. Und im besten Fall, bevor mein Körper reagiert. Bevor der Bauch hart wird oder ich unkontrolliert in Tränen ausbreche. Bevor ich den Mann anfahre, der doch überhaupt gar nicht weiß, warum ich in nur einer Minisekunde von 0 auf 180 fahre, wo er doch gerade mal nur diese eine Minisekunde zu Hause und die Tür noch nicht mal zu ist.

Aber wenn man sich dann mal einen ruhigen Moment schnappt und sich überlegt, wie wahnsinnig wundervoll all das ist, was da in mir und in uns und um uns passiert – dann ist es plötzlich viel einfacher, die Kontrolle abzugeben und Vertrauen zu gewinnen. Vertrauen in meine Tochter, die nämlich genau weiß, was sie wann tut, wann sie was von mir einfordert und was ich alles schaffen kann. 

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3. trimester

Nachdem ich diese Woche in den 10. (den 10.!) Monat meiner Schwangerschaft starte, wird es Zeit, auch zum 3. Trimester ein paar Gedanken mit euch zu teilen – und mir macht es das Warten einfacher 😉 Es sind doch tatsächlich nur noch +/- 28 Tage bis unser kleines Mädchen endlich bei uns ist.

img_9866Inzwischen bin ich Team Wal. Aus der Murmel ist eine stattliche Kugel geworden und ich bin immer noch fasziniert, wenn ich nicht nur spüren kann, dass sie sich regt – sondern wenn auch nach außen eine deutliche Beule sichtbar ist. Ein Mensch in sich wachsen zu spüren ist das eindeutig schönste Gefühl. Auch wenn ich manchmal an mir runterblicke und der kleinen Dame freundlich zu verstehen gebe, dass ihr Hintern unter meinen Rippen nicht so angenehm ist oder dass sie bitte bitte bitte aufhören soll, mir meine Blase zu massieren. Ist ja nur lieb gemeint von ihr, ich weiß – außerdem hat sie langsam ja immer weniger Platz.

Körperlich wird es trotzdem langsam wirklich anstrengend. Sitzen ist anstrengend, stehen ist anstrengend, laufen ist anstrengend und liegend brauche ich eine Weile, bis ich eine Position gefunden habe, die uns beiden passt. Der Schuhlöffel ist mein bester Freund, ich komm sonst tatsächlich nicht mehr an meine (wasser-aufgequollenen) Füße ran. Beine rasieren? Nägel lackieren? Völlig überbewertet – es ist Winter. Ich bin wirklich froh, dass ich nicht mehr arbeite und mich voll und ganz aufs Mama-Werden konzentrieren kann. Hinzu kommt auch, dass ich mit näherrückendem Entbindungstermin eine Art ’soziale Unlust‘ entwickle und mich so noch lieber auf der Couch verkrieche – oder ins Kinderzimmer. Kliniktasche zum hundertsten mal checken, Wickelkommode bestaunen, kleine Jäckchen zurecht legen.

Nestbautrieb nennt man das also und ja – den kenn ich. Da wird der Mann mit 10 neuen ‚Hey, kannst du noch eben das…‘ oder ‚Du müsstest aber vorher noch dies…‘ bombardiert, sobald er nach der Arbeit die Wohnung betritt. Ich weiß zwischendurch gar nicht wohin mit meiner Kreativität und freue mich tierisch, neue Dinge zu entwerfen, zu zeichnen, in Druck zu geben, etc. – meistens natürlich ganz von der Couch aus. Das funktioniert prima.

Wir sind in der Klinik angemeldet, die Tasche ist gepackt, Hebamme/Arzt seh ich alle 2 Wochen, die Fragen und Vorstellungen zur Geburt werden immer definierter und alles wird von Tag zu Tag realer.

Vor der Geburt hab ich keine Angst. Wirklich nicht. Ich freue mich. Ja, ich hab Respekt, aber ich freue mich. Ich bin Frau, mein Körper weiß, was zu tun sein wird. Und ich vertraue mir zu 100%. Außerdem hab ich einen fantastischen Mann an meiner Seite, dem ich ebenfalls zu 100% vertraue – dem ich mich zu 100% an-vertraue – weil er mich kennt und inzwischen so gut abschätzen kann, was ich wann brauche, dass ich manchmal sogar verwundert bin, woher er das denn so gut weiß. Und vor allem – weil ich meiner Tochter vertraue, weil sie am allerbesten weiß, wann sie kommen möchte und was ich schaffen kann.

Mal sehen wie oft ihr noch von mir hört, bevor die kleine Madame aus ihrer 1-Zimmer Wohnung aus- und in unsere Arme einzieht. Dabei will ich doch noch teilen, was ich so gelernt habe in dieser Schwangerschaft, was hilft und was völliger Quatsch ist und ein paar Dinge, die keine Schwangere hören will.

2. trimester

Das zweite Trimester. Ach das war schön. Die Übelkeit war weg, mein Bauch wird eine kleine Murmel und auch Außenstehende sehen langsam, dass das nicht nur zu viel Eis war.

img_8606So langsam wird alles viel realer. Ich werde Mama. Ich werde im Alltag vorsichtiger, ich werde ein kleines bisschen zur Löwin, wenn Leute ungefragt an meinen Bauch langen. Den Mutterpass und die Bilder vom Ultraschall trage ich wie einen Pokal immer bei mir – ich bin stolz wie Bolle und könnte die ganze Welt umarmen. Dass da jetzt schon so viel Liebe für jemanden ist, der noch nicht mal da ist, es ist unglaublich.

Ab Herbst hab ich dann auch 1x wöchentlich Schwangerschaftsyoga. Ich erinnere mich noch an die erste Stunde, da hab ich noch nichts gespürt und bei der Vorstellungsrunde noch gesagt, dass ich jetzt erst so komplett mit Kopf und Körper in der Schwangerschaft ankomme. In der zweiten oder dritten Stunde konnte ich dann bei der Vorstellungsrunde ganz stolz verkünden, dass ich jetzt endlich etwas spüre. Ein sanftes Blubbern, als würden kleine Seifenblasen in mir aufsteigen und platzen. Es ist noch so ungewohnt und doch so schön.

Sich wöchentlich mit den Mädels auszutauschen, die in der gleichen Situation stecken tut mir persönlich unendlich gut. Es ist wie das endgültige Ankommen im Mama-Werden. Beschwerden sind dann nicht mehr ganz so ‚Mensch, du bist nur schwanger, jetzt stell dich nicht so an‘, sondern sind real und Teil dieser rießigen Veränderung. Auch wenn ich vorher schon Erfahrungen im Yoga hatte, es ist wirklich interessant zu sehen, dass manches mit der Zeit nicht mehr so einfach wird. Am Anfang lagen wir ausnahmslos bei der Meditation auf dem Rücken, Woche für Woche drehen sich immer mehr Mädels – ich eingeschlossen – auf die Seite, wir brauchen immer mehr Stillkissen, und das Geächze beim Aufstehen wird immer lauter 😀 Noch dazu entstehen echt super Freundschaften, wir treffen uns auch heute noch alle 2 Wochen – auch wenn wir langsam immer weniger werden, weil wir jetzt nacheinander ja alle entbinden 🙂

Ungefähr um die gleiche Zeit erfahren wir – endlich endlich endlich – dass du ein Mädchen bist. Ich hatte das irgendwie von Anfang an im Gefühl, aber Madame hat sich bei den Ultraschall-Untersuchungen immer so geziert und ganz geschickt die Beine verschränkt. Der werdende Papa meinte schon ‚Also wenn se sich so anstellt – dann kann das nur ein Mädchen werden‘ – und er sollte Recht behalten. Und dann spürt dich Papa auch zum ersten Mal. Ich spür sie, schnapp mir die Hand vom Papa, leg sie mir auf den Bauch und dann kommt ein kleiner Tritt, ich fang sofort an zu weinen und schau ihn nur so stolz an – und er strahlt genauso stolz zurück.

Auch etwa zeitgleich entscheiden wir uns, zu heiraten. Noch so was Schönes. Hui. Es ist alles so so so groß und trotzdem ist da nur die pure Vorfreude auf das Leben zu zweit, auf das Leben als Ehepartner, als Eltern, auf gemeinsames die Welt erkunden, auf noch so viele Abenteuer. Ich will die ganze Welt umarmen. Wie sich das anhört, so richtig kitschig und manche werden sich wahrscheinlich wundern, was denn jetzt plötzlich mit mir los ist – einfach auf die Hormone schieben, die sind nämlich auch im 2. Trimester noch da (und im 3. erst!), aber die kenn ich ja schon und weiß perfekt damit umzugehen.

In der Zeit sehen wir auch noch ein bisschen von der Welt, Leipzig, Pilsen, Sizilien, London – aber das wird ein eigener Eintrag 🙂

1. trimester

Eines mal vorweg. Egal ob eine Schwangerschaft geplant ist – wie man das eben planen kann – oder nicht, ein positiver Schwangerschaftstest in den Händen stellt die ganze Welt sofort auf den Kopf. An besagtem Samstag im Juni (mir war eigentlich klar, dass ich schwanger bin) hielt ich den Test in der Hand, der innerhalb von Sekunden deutlich positiv war und bin mit wackligen Knien und ohne Hose und Tränchen in den Augen zitternd zum Papa, der vor dem Bad im Flur stand. Das hätte mal einer sehen sollen. Ruck zuck überschlugen sich die Gedanken, waaaaaas, ehrlich jetzt, oh weh, oh wie schön, OH VERDAMMT WAS SOLL DAS WERDEN, aaaaah ich werde Mama, wie schöööööön, wir kriegen ein Baby, aber AAAAAH, das ist so viel Verantwortung und das Leben, das wir bis jetzt hatten, ist vorbei und aber das neue wird so toll werden und …. img_8352Ganz zuversichtlich entschloss ich mich dann dazu, nicht durchzudrehen, noch ein paar Tage zu warten, dann erneut zu testen und sollte dieser Test wieder positiv sein, gegen Ende der Woche beim Arzt anzurufen. Haha. Ich hab zwei Tage später gleich erneut getestet, der Test wurde viel schneller und viel deutlicher positiv, also ich sofort beim Arzt angerufen. „Ja äh hallo, ähm, also, ich bräuchte einen Termin.“ „Ok, worum geht es denn?“ „Ja, ähm, also, ich glaube, dass, also ich denke, also ich bin schwanger, glaube ich.“ 🙂 so ungefähr lief das ab. Zwei Tage später saß ich beim Arzt und sah doch tatsächlich eine klitzekleine Fruchthöhle auf dem Ultraschall. Zu diesem Zeitpunkt war ich in der 5. Woche. (An dem Tag hab ich beim Arzt vor der Praxis doch auch gleich nen Strafzettel bekommen – den hab ich heute noch)

IMG_8450.JPGIn der 8. Woche hat dich dann auch der Papa zum ersten Mal gesehen. Ganz vorsichtig ist er in der Frauenarztpraxis umhergeschlichen (unbekanntes Terrain und so) und war auch beim Ultraschall ganz still und hat ganz gebannt auf den Bildschirm geschaut und das kleine blubbernde Herzchen nicht aus den Augen gelassen. Als wir aus der Praxis wieder draußen waren, konnte er nicht mehr aufhören zu reden. „Hast du das gesehen? Wie groß es schon ist. Und wie schnell das Herz schlägt. Und wie schnell es wächst. Und es ist gar kein Sesamkorn mehr. [So groß war sie etwa, als wir von der Schwangerschaft erfahren haben]. Es ist tatsächlich schon etwa so groß wie eine Himbeere. Wir werden Eltern. Und hast du das Herzchen gesehen?“

Die Reaktion auf den positiven Test war also meine erste Begegnung mit den Hormonen – es müssen die Hormone gewesen sein – und die sind inzwischen meine besten Freunde. Meine Gefühle fahren die aufregendsten Achterbahnen der Welt. Täglich. Mehrmals. Inzwischen genügt ein kläglich gekrächztes  „Hormone“ an meinen Mann, da weiß er sofort was los ist. Schnell in seine Arme und mit seinem Herzschlag im Ohr und einer strampelnden Dame im Bauch die Welt kurz vergessen.

Kurz nach der kleinen Bohne und den Hormonen zog auch die Übelkeit bei mir ein. Ja das war was. Anstrengend vor allem war das. Ich war Profi. Ich wusste, was ich wann zu essen habe. Und ich wusste auch, welche Lebensmittel „gut wieder rauskommen“. Sorry für die Details. Aber die Geruchsempfindlichkeit und die Übelkeit haben mich tatsächlich ganz schön in die Knie gezwungen. Die offene Kühlschranktür hab ich vom Flur aus gerochen – kein Scherz – und ich hatte eine unglaubliche Abneigung gegen Salz. Was mir ein bisschen geholfen hat – zumindest bilde ich mir das ein – waren Akupressurbänder für die Handgelenke und ein homoöpathisches Mittel. Schließlich war ich gerade mittendrin im Schreiben meiner BA Arbeit. Es wurde von Woche zu Woche besser. Und ich weiß auch, dass der Kopf da eine ganz große Rolle spielt. Die Ungewissheit, ob das alles gut geht, ob dem Krümel nicht doch noch was passiert, ob ich es schaffe die Bachelorarbeit pünktlich abzugeben, ob wir das überhaupt schaffen, dieses Eltern-Werden. Aber hey – Stichtag Woche 13 und alles war vorbei.

Was meiner BA Arbeit natürlich auch sehr geholfen hat – nicht – war die ständige Müdigkeit. Was sag ich, völlige Erschöpfung. 1-2 Stunden Energie und dann absoluter Nullpunkt, zum Schlaf gezwungen. Es gab also den normalen Schlaf, dann aufstehen, dann ein Vormittagsschläfchen, dann ne Stunde wach, dann n Mittagsschläfchen (für lockere 2-3 Stunden) und dann abends noch ein paar Stunden wach, bevors so um 9 wieder ins Bett ging. Hui. Jetzt so rückblickend weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, wie ich die Abschlussarbeit überhaupt pünktlich hab abgeben können.

Wenn ich jetzt auf die ersten 12. Wochen unserer Zeit mit der kleinen Dame zurückblicke, dann denke ich zuerst, dass das schon Ewigkeiten her ist. Das ist schon so weit weg. Ich glaube aber, dass das daran liegt, dass sich jeden Tag einfach unendlich viel verändert. Ich mich. Er sich. Und natürlich die Kleine sich. Und wir uns. Und das Leben ist ja auch noch da. Alles ist einfach anders. So groß. Und so schön. Und mit so viel Liebe. Vorfreude ist  bekanntlich die schönste Freude und wir leben diese Vorfreude seit dem Tag des positiven Tests. 

2017.

Ich bin wieder hier. Letztes Jahr begann auf meinem Blog noch ganz ‚vielversprechend‘ – ich hab relativ viel von mir hören lassen. Und dann war plötzlich Ruhe. Ich hab meine BA Arbeit geschrieben (und abgegeben und bestanden und yaaaay und tschüß Uni!!) und – ich wurde schwanger. 2016 war also alles andere als ein ruhiges Jahr.

Ich werde Mama. Mama werden. Hui. Erstmal durchatmen. Das ist doch ganz schön groß und so unendlich aufregend, von Tag zu Tag.

Und jetzt? Anfang 2017 und ich bin im 9. Monat, es sind nur noch wenige Wochen bis du endlich endlich bei uns bist. Du, die du uns schon ganz schön auf Trab hältst. Du, die du die Mama in den ersten 3 Monaten ganz schön oft ins Bad gescheucht hast. Die du dem Papa klitzekleine Tränen in die Augen gezaubert hast, als er das erste mal gespürt hat, dass du da bist. Dank dir durfte ich mich jeden Tag neu als Frau, als Mama, kennen lernen. Und das ist jetzt schon das größte Geschenk, was mir je jemand gemacht hat. 

Es hat sich viel geändert. Das ganze Leben stellt sich auf den Kopf. Du bist der Grund, dass manch vermeintlich große Dinge plötzlich nichtssagend und klitzeklein sind während klitzekleine Dinge – nämlich du – plötzlich die Welt bedeuten. Schon im Sommer, in den ersten Wochen meiner Schwangerschaft, habe ich was essentielles gelernt. Verantwortung zu übernehmen und diese auch gleichzeitig abzugeben. In dich zu vertrauen. Was du da so machst mit meinem Körper hat alles seinen Grund. Und wenn das heißt, dass ich eben jeden Tag 2.5 Stunden Mittagsschlaf machen muss, weil ich sonst die Augen nicht mehr aufhalten kann, dann ist das eben so. Oder wenn du mich täglich mehrmals ins Bad scheuchst. Hui. Anstrengend ist das trotzdem. Aber es ist auch so so schön. Zu sehen, was sich alles verändert. In mir und in uns als Paar.

Da ich jetzt also hier mit einer ganz schön großen Kugel auf der Couch rumliege und noch ein paar Wochen auf unser kleines Mädchen warte, img_7449werde ich immer mal ein bisschen von der Schwangerschaft berichten. Wie sich das so anfühlt im 1. Trimester, bis die magische 12 Wochen-Grenze erreicht ist. Oder das traumhafte 2. Trimester, in dem ich die ganze Welt hätte knutschen können vor lauter Glück (und in der wir auch tatsächlich noch die Welt gesehen haben) – oder natürlich aus dem jetzigem 3. Trimester, wie es so ist, hochschwanger zu heiraten und warum der Schuhlöffel mein bester Freund geworden ist.

Und keine Sorge – die Reiseseele in mir, die diesen Blog so brav gefüttert hat ist immer noch da. Und ich hab mir fest vorgenommen, euch auch weiterhin von meinen Reisen zu berichten, ich habe da nämlich längst noch nicht alles erzählt. Aber jetzt ist es eben erstmal diese Reise. Unsere bisher größte. Zwischen all dem Windelgelaber und Muttermilchgedichten werde ich definitiv auch immer mal ein bisschen von der Welt berichten – zumindest hab ich das fest vor, garantieren kann ich für nichts, Hormone und so 😉

 

 

nepal. kathmandu.

Kathmandu ist absolut durchgeknallt. Ein bisschen wie Delhi. Groß. Nein – rießig. Laut. Staubig. So viele Menschen. Und so nett. Im Ernst – das ist etwas, was ich wirklich mal loswerden möchte. Sowohl in den Bergen, als auch in Kathmandu – das ist ein so unglaublich nettes Völkchen. Ja, uns quatschen regelmäßig Leute an, die uns was verkaufen möchten, aber bei einem gelächelten „Nein danke“ hört jeder auch auf. Kein krampfhaftes hinter-uns-herlaufen. Bist du nett, sind sie nett. So einfach ist das. Sie haben so viel Spaß am Tourismus und ich finde den dürfen sie auch haben.

Kathmandu ist keine Stadt für 2 ganze Wochen. Kathmandu ist eher so eine Art Reise-Drehkreuz. Man kommt dort an, man verbringt dort einige Tage und dann geht’s von dort weiter ins Land. Man kommt zurück, genießt die letzten Tage und fliegt dann wieder zurück in die Heimat.

Unterkunft. Nachdem wir uns bei unserer Ankunft in unser kleines Bed&Breakfast absolut verlieben, ist relativ schnell klar, dass wir hier auch bleiben werden für die Tage, die wir während den 4 Wochen zwischendurch immer in Kathmandu haben. Warum denn lange suchen, wenn man sich so wohl fühlt. Es ist so schön gemütlich, es fühlt sich fast an, als würde man nach Hause kommen. Mitten im verrückten Thamel, durch ein paar kleine Nebengässchen und plötzlich in einer kleinen Oase, ein grüner Garten, Gebetsfähnchen, Platz zum Entspannen, Frühstück im Freien und ein herzliches „Namaste“ vom Hotelinhaber. Hatte ich erwähnt, was für ein nettes Völkchen diese Nepalesen sind?

Thamel. Wenn du Touristen suchst, du findest sie in Thamel. Souvenirs shoppen, Ausrüstungsgegenstände fürs Trekking, Trekkingtouren, Hostels ohne Ende, Bars, Restaurants, … Das alles ist Thamel. Für ein paar Tage macht es wirklich richtig richtig viel Spaß, aber ich kann nicht nachvollziehen, weshalb manche in den Hostels da mehrere Wochen „versumpfen“ (wobei, ich hab da so meine Theorie – das wird der nächste Beitrag). Unser B&B liegt am etwas ruhigeren Rand von Thamel und unser mini-kleines, nepalesisches Lieblingsrestaurant ist gleich um die Ecke. Nach 2 Wochen Stille in den Bergen wieder in Thamel anzukommen, ist dann eine interessante Erfahrung – mit so viel Ruhe in mir ist Thamel zu laut. Schnell Souvenirs shoppen und dann wieder auf die Dachterrasse eines Restaurants verkriechen, ein bisschen Abstand.

Swayambhunath. Monkey Temple. Schönes Fleckchen. Wir laufen von Thamel aus (so sieht man auch ein bisschen was vom „echten“ Kathmandu) und sind dann – oben angekommen – nachdem wir die Stupa mehrmals (im Uhrzeigersinn) umrundet haben, in eines der Cafés und genießen mit Papaya-Lassi in der Hand den Blick auf die Stupa und auf diese rießige Stadt von oben. Manchmal sieht man sich plötzlich in einer Situation, in der man weiß, dass man für genau diesen Moment alles richtig gemacht hat. Das da oben ist so ein Moment. Und es folgten noch unendlich viele solche Momente in unseren 4 Wochen in Nepal. 

Pashupatinath. Einer der wichtigsten Tempel des Hinduismus, an einem Fluss gelegen und Schauplatz von Verbrennungen von Verstorbenen. Und ein Ort, an dem der Tod deshalb sehr präsent ist. Pashupatinath ist rund um die Uhr geöffnet, da nach hinduistischem Glauben ein Verstorbener innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden sollte. Nepalesische Hilfsarbeiter, die auf Großbaustellen im Ausland ums Leben kommen, werden – wortwörtlich – in eine Kiste gepackt und mit dem nächsten Flieger direkt nach Nepal zurück geflogen. Addressiert an Pashupatinath, von dort werden dann die Verwandten hinzugerufen, es muss – je nach Dauer der Überführung – unter Umständen jetzt schnell gehen. Es ist eine beeindruckende, sehr alte Tempelanlage (einige Teile darf mal als Nicht-Hindu nicht betreten), es hüpfen Affen rum, man begegnet Gurus, die sich für Geld auch fotografieren lassen, Touristen ohne Ende. Zwischendrin Trauergesellschaften, die singend und klatschend in den Tempel ziehen. Ein Pickup bahnt sich rückwärts durch die Touristenmenge, der Kofferraum geht auf und eine nur in Tüchern gewickelte Leiche  wird herausgehoben und an uns vorbeigetragen. An der Wand eines Gebäudes hängt eine Tafel, eine Preisliste der verschiedenen Holzsorten. Brenndauer, Rauchbildung, Geruchsbildung. Dieser geschäftige Umgang mit dem Tod ist schon etwas, das man verdauen muss. Ist doch der Tod bei uns ein Thema, mit dem man sich erst sehr spät und sehr ungern auseinander setzt, ist das hier in Nepal Teil des Alltags. Dieses Leben ist vorbei, das nächste steht bevor. Also eigentlich kein Grund zur tiefen Trauer. Klar, man vermisst den Menschen, aber man hat – im Glauben verankert – gleichzeitig die Gewissheit, dass es für denjenigen auf der Erde noch weitere Leben gibt. So sitzen wird da also in Gedanken versunken, während am Fluss ein junger Nepalese den Scheiterhaufen vorbereitet, Holz schichtet und Reisig bündelt. Die Feuerstelle nebenan ist noch frisch, ein junger Mann steht bis zu den Knien im grau-braunen Fluss und gräbt mit einer Schaufel nach Metallen, Gold, Zähnen. Eine Stimmung, die nur sehr schwer für mich greifbar war.

Die restlichen Tage, die wir in Kathmandu verbringen, lassen wir uns einfach nur treiben. Wir sind am Durbar Square in Lalitpur, besuchen ein Museum. Wir genießen eine Tasse Tee auf einer Dachterrasse an der Boudhanath Stupa – die gerade noch im Wiederaufbau ist. Wir kaufen mit der Schwester unseres Yogalehrers Souvenirs und schlendern durch einen Supermarkt, in dem nur Nepalesen einkaufen. Wir sind bei ihrer Familie und essen gemeinsam. Wir stapfen erneut die hundert Stufen zum Monkey Temple, einfach weil wir nochmal schauen wollten. Kathmandu sehen. Wir essen Chicken Falafel in Thamel und verkriechen uns danach mit dem Buch 2 Stunden im Garden of Dreams . Wir sind einfach nur da.

Was für eine verrückte Stadt. Und doch so herrlich angenehm verrückt.

nepal. what mountains do to you.

„The mountains calm me down. Während den letzten Tagen kam ich irgendwie so nahe zu mir, wie ich es noch nie vorher erlebt habe. Mit jedem Schritt, mit jedem Meter, den ich höher steige merke ich, wie viel in ‚Der Weg ist das Ziel‘ denn eigentlich steckt. Es fühlt sich fast so an, als würde mich der Berg auf das Essentiellste runter reduzieren, alles was im alltäglichen Leben in Deutschland so viel Platz einnimmt – vor allem mental – ist hier auf einmal weg. Oder nicht weg, sondern anders eingestuft, anders prioritisiert, weniger präsent. Some things simply don’t matter when you adjust your focus. Und jeder Schritt bringt mich dem näher. Es ist nicht nur ein Blick von oben auf die Welt sondern auch ein anderer auf das, was unser Leben auszumachen scheint. Die Menschen sind mit so wenig zufrieden, wir in Deutschland ersticken im Luxus, in materiellem und auch in „zwischenmenschlichem“ (wenn das denn Sinn macht), mir wird mehr und mehr klar, wie angenehm das Leben ist, wenn man sich auf Minimalismus einlässt. Wir haben alles was wir brauchen auf dem Rücken und in uns und das, was ich vermisse, kann ich an einer Hand abzählen. Das muss sich unbedingt ändern.

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In jedem Schritt spüre ich jeden Muskel, jedes Gelenk und jeden Knochen. Ich spüre wie meine Lunge nach Sauerstoff sucht und ich spüre – oh ja – jedes einzelne Gramm des Rucksacks auf meinem Rücken. Ich schaue mich um und der Anblick raubt mir wortwörtlich den Atem. Eine meditative Ruhe macht sich zwischen uns und um uns herum breit. Wir reden kaum, weil jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt ist – körperlich und auch mental. ‚Namaste‘ ist das Einzige, was uns über die Lippen kommt, wenn uns andere begegnen. My bare and pure soul honours your soul. Namaste. Yaks und Sherpas verschmelzen mit der Natur, die Glocken der Yaks sind noch kilometerweit zu hören, wenn der Wind richtig steht. Wenn man anderen Trekkern begegnet – man sieht sich nicht. Das ‚Namaste‘ an dieser Stelle ist eher so etwas wie ‚Ich fühle mit dir‘, zwischenmenschliche Kommunikation ‚Ich weiß, wie du dich fühlst. Durchhalten, es lohnt sich‘. Es lohnt sich, wie Recht sie haben.

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Keiner hat gesagt, dass das leicht wird. Vielleicht bin ich auch deshalb zwischendurch immer mal wieder den Tränen nahe, laufe mit einem Kloß im Hals. Der Berg zwingt mich dazu, mich mit Dingen auseinanderzusetzen, die das Un(ter)bewusstsein mit Hilfe von viel zu wenig Sauerstoff in Träumen wieder hervorholt – Dinge, mit denen ich mich wahrscheinlich schon vor Wochen, Monaten oder Jahren hätte auseinander setzen müssen. Dinge, von denen ich keine Ahnung haben, wo sie auf einmal herkommen. Und Dinge, die ich schon eine Ewigkeit vor mir herschiebe. Ich spüre, dass sich da was tut. Ich fühle mich unendlich klein. Alles um mich herum räumt mich auf, sortiert aus, entrümpelt alle Gefühle und Gedanken, die sich über die letzten Jahr(zehnt)e angesammelt hat.

Aufräumen, Blickwinkel anpassen, neu fokussieren. Was ist wichtig. Wer tut mir gut. Wen sehe ich in meinem Leben. Was will ich. Ich bin auf das Wesentliche reduziert, ich bin klein und die unverfälschteste Version Laura. Ich verändere mich. Mit jedem Schritt komm ich der Person näher, die ich sein will. I am growing. Ich finde raus, wer ich sein will. Manchmal macht das Angst, weil alles auf einmal so groß ist und ich so klein. Aber da ist auch Mut. Mut, die Dinge anzupacken, sich mit dem Kopf voran ins Leben zu stürzen.“

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