2017.

Ich bin wieder hier. Letztes Jahr begann auf meinem Blog noch ganz ‚vielversprechend‘ – ich hab relativ viel von mir hören lassen. Und dann war plötzlich Ruhe. Ich hab meine BA Arbeit geschrieben (und abgegeben und bestanden und yaaaay und tschüß Uni!!) und – ich wurde schwanger. 2016 war also alles andere als ein ruhiges Jahr.

Ich werde Mama. Mama werden. Hui. Erstmal durchatmen. Das ist doch ganz schön groß und so unendlich aufregend, von Tag zu Tag.

Und jetzt? Anfang 2017 und ich bin im 9. Monat, es sind nur noch wenige Wochen bis du endlich endlich bei uns bist. Du, die du uns schon ganz schön auf Trab hältst. Du, die du die Mama in den ersten 3 Monaten ganz schön oft ins Bad gescheucht hast. Die du dem Papa klitzekleine Tränen in die Augen gezaubert hast, als er das erste mal gespürt hat, dass du da bist. Dank dir durfte ich mich jeden Tag neu als Frau, als Mama, kennen lernen. Und das ist jetzt schon das größte Geschenk, was mir je jemand gemacht hat. 

Es hat sich viel geändert. Das ganze Leben stellt sich auf den Kopf. Du bist der Grund, dass manch vermeintlich große Dinge plötzlich nichtssagend und klitzeklein sind während klitzekleine Dinge – nämlich du – plötzlich die Welt bedeuten. Schon im Sommer, in den ersten Wochen meiner Schwangerschaft, habe ich was essentielles gelernt. Verantwortung zu übernehmen und diese auch gleichzeitig abzugeben. In dich zu vertrauen. Was du da so machst mit meinem Körper hat alles seinen Grund. Und wenn das heißt, dass ich eben jeden Tag 2.5 Stunden Mittagsschlaf machen muss, weil ich sonst die Augen nicht mehr aufhalten kann, dann ist das eben so. Oder wenn du mich täglich mehrmals ins Bad scheuchst. Hui. Anstrengend ist das trotzdem. Aber es ist auch so so schön. Zu sehen, was sich alles verändert. In mir und in uns als Paar.

Da ich jetzt also hier mit einer ganz schön großen Kugel auf der Couch rumliege und noch ein paar Wochen auf unser kleines Mädchen warte, img_7449werde ich immer mal ein bisschen von der Schwangerschaft berichten. Wie sich das so anfühlt im 1. Trimester, bis die magische 12 Wochen-Grenze erreicht ist. Oder das traumhafte 2. Trimester, in dem ich die ganze Welt hätte knutschen können vor lauter Glück (und in der wir auch tatsächlich noch die Welt gesehen haben) – oder natürlich aus dem jetzigem 3. Trimester, wie es so ist, hochschwanger zu heiraten und warum der Schuhlöffel mein bester Freund geworden ist.

Und keine Sorge – die Reiseseele in mir, die diesen Blog so brav gefüttert hat ist immer noch da. Und ich hab mir fest vorgenommen, euch auch weiterhin von meinen Reisen zu berichten, ich habe da nämlich längst noch nicht alles erzählt. Aber jetzt ist es eben erstmal diese Reise. Unsere bisher größte. Zwischen all dem Windelgelaber und Muttermilchgedichten werde ich definitiv auch immer mal ein bisschen von der Welt berichten – zumindest hab ich das fest vor, garantieren kann ich für nichts, Hormone und so 😉

 

 

nepal. what mountains do to you.

„The mountains calm me down. Während den letzten Tagen kam ich irgendwie so nahe zu mir, wie ich es noch nie vorher erlebt habe. Mit jedem Schritt, mit jedem Meter, den ich höher steige merke ich, wie viel in ‚Der Weg ist das Ziel‘ denn eigentlich steckt. Es fühlt sich fast so an, als würde mich der Berg auf das Essentiellste runter reduzieren, alles was im alltäglichen Leben in Deutschland so viel Platz einnimmt – vor allem mental – ist hier auf einmal weg. Oder nicht weg, sondern anders eingestuft, anders prioritisiert, weniger präsent. Some things simply don’t matter when you adjust your focus. Und jeder Schritt bringt mich dem näher. Es ist nicht nur ein Blick von oben auf die Welt sondern auch ein anderer auf das, was unser Leben auszumachen scheint. Die Menschen sind mit so wenig zufrieden, wir in Deutschland ersticken im Luxus, in materiellem und auch in „zwischenmenschlichem“ (wenn das denn Sinn macht), mir wird mehr und mehr klar, wie angenehm das Leben ist, wenn man sich auf Minimalismus einlässt. Wir haben alles was wir brauchen auf dem Rücken und in uns und das, was ich vermisse, kann ich an einer Hand abzählen. Das muss sich unbedingt ändern.

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In jedem Schritt spüre ich jeden Muskel, jedes Gelenk und jeden Knochen. Ich spüre wie meine Lunge nach Sauerstoff sucht und ich spüre – oh ja – jedes einzelne Gramm des Rucksacks auf meinem Rücken. Ich schaue mich um und der Anblick raubt mir wortwörtlich den Atem. Eine meditative Ruhe macht sich zwischen uns und um uns herum breit. Wir reden kaum, weil jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt ist – körperlich und auch mental. ‚Namaste‘ ist das Einzige, was uns über die Lippen kommt, wenn uns andere begegnen. My bare and pure soul honours your soul. Namaste. Yaks und Sherpas verschmelzen mit der Natur, die Glocken der Yaks sind noch kilometerweit zu hören, wenn der Wind richtig steht. Wenn man anderen Trekkern begegnet – man sieht sich nicht. Das ‚Namaste‘ an dieser Stelle ist eher so etwas wie ‚Ich fühle mit dir‘, zwischenmenschliche Kommunikation ‚Ich weiß, wie du dich fühlst. Durchhalten, es lohnt sich‘. Es lohnt sich, wie Recht sie haben.

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Keiner hat gesagt, dass das leicht wird. Vielleicht bin ich auch deshalb zwischendurch immer mal wieder den Tränen nahe, laufe mit einem Kloß im Hals. Der Berg zwingt mich dazu, mich mit Dingen auseinanderzusetzen, die das Un(ter)bewusstsein mit Hilfe von viel zu wenig Sauerstoff in Träumen wieder hervorholt – Dinge, mit denen ich mich wahrscheinlich schon vor Wochen, Monaten oder Jahren hätte auseinander setzen müssen. Dinge, von denen ich keine Ahnung haben, wo sie auf einmal herkommen. Und Dinge, die ich schon eine Ewigkeit vor mir herschiebe. Ich spüre, dass sich da was tut. Ich fühle mich unendlich klein. Alles um mich herum räumt mich auf, sortiert aus, entrümpelt alle Gefühle und Gedanken, die sich über die letzten Jahr(zehnt)e angesammelt hat.

Aufräumen, Blickwinkel anpassen, neu fokussieren. Was ist wichtig. Wer tut mir gut. Wen sehe ich in meinem Leben. Was will ich. Ich bin auf das Wesentliche reduziert, ich bin klein und die unverfälschteste Version Laura. Ich verändere mich. Mit jedem Schritt komm ich der Person näher, die ich sein will. I am growing. Ich finde raus, wer ich sein will. Manchmal macht das Angst, weil alles auf einmal so groß ist und ich so klein. Aber da ist auch Mut. Mut, die Dinge anzupacken, sich mit dem Kopf voran ins Leben zu stürzen.“

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straßburg.

Kurzmitteilung

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Wer kennt das nicht. Silvesterplanung. Was machen wir, wo gehen wir hin, mit wem feiern wir, was gibt es zu essen, wo sind wir um 12 – das muss die beste Party des Jahres werden. Ich persönlich kann damit ja gar nichts anfangen. Silvester wird meiner Meinung nach gnadenlos überbewertet. Und so kam es also, dass ich zu Weihnachten eine „Wir fahren über den Jahreswechsel weg – aber ich verrat dir nicht wohin“ – Überraschung bekommen habe.

Ich habe wirklich erst auf der Autobahn erfahren, wo wir landen. (‚Ok, A3 Richtung Frankfurt.‘ ‚Korrigiere. A81 Richtung Stuttgart.‘ ‚Komisch. A6.‘ ‚He, A5?!‘) Wir sind schließlich in Straßburg angekommen und ich habe mich wirklich sehr gefreut. Da fährt man nur so knapp über die Grenze und ist doch sofort in einer anderen Kultur mit einer anderen Sprache und so vielen anderen Gewohnheiten. Es sollten wundervolle 2 Tage werden.

Untergebracht waren wir in einem der kleinen Appartements des ‚Le 32‘ – und zwar unglaublich gut gelegen. Zu Fuß etwa 5 Minuten zum Münster (maximal), also mitten in der Stadt und dennoch wirklich ruhig, was aber auch an der Jahreszeit lag. Die Appartements sind sehr gemütlich und sauber, kleine Einbauküche, geräumiges Bad (inkl. Waschmaschine, Bügelbrett/eisen, Haartrockner, …), TV und Wlan. Wir haben uns sofort wohl gefühlt!

IMG_5947Wer in Straßburg ist und ein bisschen Zeit hat, sollte sich einfach treiben lassen. Durch die Gassen schlendern, sich vielleicht auch mal ein bisschen verlaufen und einfach auf sich wirken lassen. Genau so haben wir das gemacht. Vorbei an kleinen Bäckereien und Patisserien, an großen
Einkaufszentren und kleinen, unabhängigen Labels. So kam es auch, dass wir in die Rue de Juifs abgebogen sind und da ein paar Schmuckstücke entdeckt haben. So zum Beispiel eine kleine Papeterie ‚Monogram‘, die nicht nur eine große Auswahl an Schreibutensilien hat, sondern eben auch viele schöne Dinge aus Papier, Washi, … Am meisten begeistert hat mich doch aber der kleine zuckersüße Laden namens ‚Marcel et Finette‘, ein Kinderladen (Nein, ich bin nicht schwanger), der absolut zum träumen ist. Holzspielzeug, ausgewählte Baby-/Kinderkleidung (wie niedlich!), die Kollektionen von ferm living und bloomingville kids, und und und. Hachja. Ihr könnt es euch vorstellen. In einer anderen Ecke Straßburgs, nämlich auf der Rue de Bouchers, fanden wir dann noch die zwei Läden ‚Mémé et Autriche‘ – die waren vielleicht Knüller. (Nicht verwirren lassen, sind zwei Läden, genau gegenüber bzw. nebeneinander, gehören aber zusammen.) Tolles für Zuhause, zwischendurch ein bisschen retro, dann wieder skandinavisches Design, auch hier wieder ganz viel bloomingville und Konsorten. Und jetzt gerade habe ich festgestellt, dass die auch einen online store haben – oh weh, das könnte gefährlich werden.

IMG_5927Alles in allem ist Straßburg eine wundervolle Stadt. Auch zu dieser Jahreszeit, alles weihnachtlich geschmückt (und wie!), alles glitzert und glänzt und es gibt so viel zu entdecken. Wir haben uns diese zwei Tage einfach treiben lassen, sind an den Sehenswürdigkeiten vorbei geschlendert, haben Touristen beobachtet, Bäckereien getestet, uns aber auch vorbildlich zum Jahreswechsel im Hotelzimmer verkrochen, dort gekocht, Punsch geschlürft und im Schneidersitz im Bett sitzend das neue Jahr begrüßt. Wir kommen definitiv wieder – Straßburg im Sommer, das wird toll!

 

 

ugh.

Kurzmitteilung

Ich wusste, dass mir das passieren wird. Oder ich ahnte es. Und ich habe sogar einen Begriff dafür gefunden. Ferienkater. Bester Freund vom Schweinehund. Auch wenn ich im letzten Eintrag noch so hoch motiviert auf das neue Jahr hingefiebert habe – keine Sorge, ich bin immer noch hochmotiviert – aber eben irgendwie jetzt noch nicht. Ich will verkrochen bleiben. Nicht raus in den Alltag. Ich will weiterhin auf der Couch wohnen und spontan in neue Städte fahren. Mal den Sport sausen lassen und Essen nach Hause bestellen. Keine Uni, keine Arbeit, kein Haushalt, kein doofer, schnöder Alltag. Puh. Auf der To do – Liste stehen 2 Punkte, weil ich mich momentan weigere, alles andere auch aufzuschreiben.

Aber mir blieb ja nichts anderes übrig. Ein Referat wartet, die Klausuren  Anfang Februar, dann die Hausarbeit und dann im nächsten – und letzten! – Semester, die Bachelorarbeit. Das wird doch wohl zu schaffen sein, das wäre doch gelacht. Und vor allem – es geht anderen auch so. Andere verkriechen sich auch. Wirklich. Ehrlich. Ich bin nicht alleine. (Danke hier an Steffi – du hast dem Vieh den Namen gegeben, den es verdient hat 😉 )

IMG_6058Also – ran an den Speck. Am Wochenende hat’s mich dann gepackt. Weihnachtsbaum raus, Weihnachtsdeko in den Keller, Küche geschrubbt und Projekt Arbeitszimmer verwirklicht. Neue Regale aufgehängt, Bilder an die Wände, Rollo vors Fenster, Fenster geputzt (He – da ist ja unser Innenhof) und zack – was für ein schöner Schreibtisch, was für eine schöne Atmosphäre, um jetzt mal alle Projekte für 2016 anzugehen. Phasen, in denen meine Motivation schmollend unterm Schreibtisch sitzt, nutze ich also jetzt, um etwas aufzuräumen. Platz im Schrank. Platz im Keller. To Do – Liste überarbeiten. Das ist nämlich auch eine Art aufräumen. Und schöne Ziele setzen. Große Ziele. Und kleine Ziele. Bei mir ist das Nepal im März. Also das große Ziel. Kleine Ziele setze ich mir mehrmals wöchentlich – oder auch täglich. Eine Tasse Tee um 11:00. Sauna nach dem Sport. Ein bisschen Lettering sobald ich den Text für das Seminar fertig gelesen habe.

Dieses organisieren und umstellen und entrümpeln tut nicht nur dem Zimmer gut, sondern auch mir und meiner kleinen Seele. Ab und zu muss da einfach mal abgestaubt werden, es lässt sich dann leichter atmen und ich finde den Fokus auf die Dinge im Jahr 2016. Da hilft auch alles Grummeln nichts. Also ran an den Staubwedel – das hilft.

FullSizeRenderUnd siehe da – die Motivation kommt unterm Schreibtisch vorgekrochen. Weil sie nämlich sieht, was wir dieses Jahr alles so gemeinsam vorhaben und dass ich sie wirklich brauchen werde die nächsten Monate. Ach das wird schön. Ich werde mehr schreiben. Ich werde euch von Silvester in Straßburg erzählen. Ich werde über das Reisen erzählen, über die Vorfreude auf Nepal. Es gibt so viele schöne Dinge, auf die ich mich freuen kann – und auf die sich auch meine Motivation zu freuen hat – packen wir’s an.

new.

Kurzmitteilung

IMG_5834So. Die Feiertage sind rum. Geschafft. Mein Bauch fühlt sich an, als wäre er immer noch voll mit zauberhaftem Weihnachtsessen. Aber mein Herz ist auch immer noch voll. Voll mit weihnachtlichen Gefühlen. Alle Lieben um mich herum, nach allen Regeln der Kunst unterm Weihnachtsbaum verkrochen. Im Schlafanzug auf der Couch Filme geschaut. Beim Geschenke auspacken in strahlende Augen geschaut. Gelacht. Den Moment bewusst gefühlt. Nachgedacht. Offline. Hach war das schön. Ich will gar nicht mehr auftauchen.

Das Jahr neigt sich nun wieder einmal dem Ende – wo ist die Zeit hin? – und von allen Seiten schreit es nach Neuanfang. Die Chance, dein Leben im neuen Jahr endlich gesünder, fitter, aufmerksamer, dankbarer, aufgeräumter, freier, … zu leben.

Für einen neuen Anfang brauche ich nicht den 01.01. eines neuen Jahres. Wenn ich mein Leben ändern will, dann ist das total egal ob ich damit an einem Dienstagabend oder an einem Sonntagmorgen anfange. Mein Leben ändert sich. Manchmal wenn ich will und manchmal wenn mein Leben will. Dieses Jahr hat mein Leben sich oft ändern wollen – und ich hab voller Vorfreude mitgemacht. Ich habe einen neuen Blickwinkel auf mein Leben, ich habe mich von Erinnerungen getrennt, die mich bremsen. Ich habe Erwartungen gehabt und sie sein lassen. Ich habe auf meinen Bauch gehört und die berufliche Richtung gewechselt. Ich habe neue Freunde gefunden und alte Freunde neu kennengelernt. Ich habe bewusst aufgehört nach der Liebe zu suchen und sie hat mich gerade deshalb gefunden. Ich stehe – oder besser ich tanze – mit beiden Beinen im Leben, ich bin da wo ich hingehöre.

Und da soll mir nochmal jemand sagen, dass man dafür das neue Jahr braucht. Wenn ich jedes Jahr alle meine Hoffnungen und Erwartungen in den 01.01. setzen würde, dann wäre ich jetzt noch ganz woanders – mit dem Kopf und auch mit dem Rest. 

Who gets to determine when the old ends and the new begins? It’s not a day on the calendar, not a birthday, not a new year. It’s an event —big or small, something that changes us, ideally it gives us hope, a new way of living and looking at the world, letting go of old habits, old memories.  [Grey’s Anatomy. 2.13.]

Ich bin kurz online aufgetaucht und verkrieche mich jetzt wieder mit dem Mann. Wohin weiß ich nicht – 2 Tage weg, das war sein Weihnachtsgeschenk an mich. Auf ein wundervolles vergangenes Jahr 2015 – auf alle Momente, Erfahrungen, Freunde und die Familie. Auf die Liebe. Auf das Leben. Und auf ein fabelhaftes 2016 – yeah ich freu mich!

calm down.

Kurzmitteilung

image2Jedes Jahr freue ich mich auf den Advent. Die Welt wird ruhiger, die Lautstärke vom Alltag wird verschluckt. Ich backe Plätzchen, verkrieche mich mit einer Tasse Punsch auf die Couch und schaue den Kerzen des Adventskranzes beim Flackern zu. Ich schlendere handschuhhändchenhaltend über Weihnachtsmärkte und finde Geschenke. Ohne dem Konsumdruck zum Opfer zu fallen. Ich muss schmunzeln, wenn ich etwas finde und sofort an einen lieben Menschen denken muss – an das Lächeln in den Augen, welches ich zaubern darf, wenn er oder sie mein Geschenk auspackt. Und an meine innere Ruhe, wenn ich Geschenke einpacke.

Besinnlich, ruhig, zufrieden – ich finde diese Zeit unendlich schön. Und dann hat uns plötzlich ein lieber Mensch für immer verlassen. Völlig unerwartet wird Weihnachten in ein anderes Licht gerückt. Ein intensiveres irgendwie. Beisammen sein. Zusammenrücken. Weil es genau das ist, was du wolltest.

Mein Papa verriet mir letzt, dass du mich jeden Tag heimlich zur Grundschule begleitet hast. Du hast dich in Nähe der Straßenbahnhaltestelle versteckt und bist mir jeden Morgen unauffällig von dort bis zur Schule gefolgt. In sicherem Abstand, um unentdeckt zu bleiben. Nur um sicher zu gehen, dass mir nichts passiert. Ich weiß noch, ich war mächtig stolz, von Anfang an alleine auf den Schulweg geschickt worden zu sein – dabei warst du immer in meiner Nähe. Das für mich Größte an der ganzen Geschichte ist, dass du dich nie gezeigt hast. Mir hat das nie jemand verraten, weil du wolltest, dass ich so stolz bleibe. Dass ich an dieser Eigenständigkeit wachse.

Dass du nicht mehr da bist, hat uns allen die Bimage1alance genommen, die wir, jeder für sich, erst wieder finden müssen, ich auch. Aber ich sag dir was, ich stürze mich jetzt wieder in den Advent. Ich verpacke Geschenke, ich verliebe mich in einen Baum und ich werde singen, wenn ich ihn schmücke. Weil ich weiß, dass du das wolltest und vor allem weil ich weiß, dass du da bist. Genauso unentdeckt und unsichtbar wie damals. Opa – das ist für dich. Ich hoffe, dir geht es wundervoll, da wo du jetzt bist. Ich hoffe, du siehts noch ein bisschen von uns. Wir alle sind unendlich dankbar, dass du so lange in unserem Leben warst und wir werden das, was wir von dir lernen durften, nie vergessen.

Ich wünsche wundervolle Feiertage. Feiert das Leben, es ist viel zu schnell vorbei. Lacht mit der Familie und stellt die Erwartungen an „das schönste Weihnachten“ einfach mal vor die Tür. Seid da. Zu 100%. Schaut euch euer Leben nicht durch einen Bildschirm an. Lebt offline. Umarmt euch. Genießt den Duft von Weihnachtsessen. Feiert die Vorfreude auf die Zeit mit der Familie. Alles andere kann auch mal warten. Ehrlich.

expect.

Kurzmitteilung

Manchmal gehe ich durch meinen Tag und spüre plötzlich, wie in mir schlechte Laune schlummert. Schlechte Laune, von der ich keine Ahnung habe, wo sie herkommt und was sie in mir verloren hat. Inzwischen weiß ich wo sie herkommt. Erwartungen. Die sind Schuld. Erwartungen an Situationen, die noch nicht einmal stattgefunden haben oder die bösen unerfüllten. Wie oft bringt uns das ins Schwanken, wenn etwas anders kommt, als geplant. Sehr schlecht übrigens – weil wenn ich eines mit Sicherheit weiß, dann dass es meistens anders kommt, als man denkt, plant und erwartet. Und somit die tausend Gedanken zu „was wäre wenn“ völlig für die Katz waren. 

Woher kommt das denn eigentlich? Diese ganzen Erwartungen? Aus unserem Umfeld. Wir sehen, wie es bei anderen (scheinbar traumhaft) läuft, so hat das bei uns auch zu klappen. Wir sehen Filme, die uns vorgaukeln, wie eine Beziehung zu verlaufen hat und wie man im Job aufgehen muss. Wir träumen uns durch fremde instagram-Profile und sind begeistert vom Leben der anderen. Wir malen uns die tollsten Situationen aus, schwirren von einem Gedanken zum nächsten und sind dann enttäuscht, weil unser Leben irgendwie viel weniger glänzt.

Und dabei stimmt das doch gar nicht. Erwartungen verschieben unseren Blickwinkel und rauben uns wertvolle Zeit unser Leben einfach mal zu genießen – und zwar genau so wie es eben ist. Warum erwarte ich von meinem Leben Dinge, die doch eigentlich gar nicht in das Leben passen, das ich führen möchte?

IMG_5465Ich beginne also von meinem Leben nichts mehr zu erwarten. Und das ist überhaupt gar nicht so traurig und verzweifelt, wie das auf den ersten Blick klingt. Es kommt alles so, wie es kommen soll. Und ohne den Erwartungsdruck, der von außen kommt oder den ich mir selber auflaste, lebt es sich besser. Und weniger erwarten heißt nicht weniger erleben – sondern das, was passiert, zu leben. 

expect the unexpected.