Über charakterkopfkino

Das Leben lieben.

less waste // DIY Küchentücher

Küchentücher aus Papier. Und davon einige. Jeden Tag. Schon eine ganze Zeit lang störte mich unser Verbrauch von Küchentüchern, es waren einfach viel zu viele. Vor allem wenn ein kleiner Mensch mit am Tisch sitzt, der das Essen erst lernt und dafür viiiiiel Fußboden braucht. Tisch, Stuhl, Boden. Mindestens 3x am Tag. Dann die unendlich lange Arbeitsplatte in der neuen Küche. Und und und. Jeden Tag wanderten etliche gebrauchte Küchentücher in den Müll. Damit ist jetzt Schluss, denn ich habe uns eine umweltfreundliche Alternative genäht. Auch hier – wie bei den Reinigungspads – gilt: minimaler Aufwand – maximale Begeisterung.

Ihr braucht:

  • Moltontücher (geht sicher auch mit Handtüchern, es sollte ein etwas saugfähiges Material sein. Ich hatte die Moltontücher im Rahmen der Erstausstattung online gekauft)
  • Nähmaschine (muss nicht zwingend eine Overlock sein!)
  • Nähgarn in verschiedenen Farben

Zuerst habe ich die Moltontücher zu gewünschter Größe zugeschnitten und die Ecken abgerundet. Anschließend hab ich die Rechtecke mit einem einfachen Zickzack-Stich der Nähmaschine umsäumt. Die Stichbreite ist dabei möglichst groß, die Stichlänge ziemlich klein eingestellt. Am besten einfach mal ein bisschen rumprobieren – ein Stück Moltontuch wurde bei mir einfach mal das Versuchskaninchen. Durch Anpassen der Fadenspannung lässt sich ein ungewolltes Kräuseln der Ränder leicht verhindern bzw. anpassen. (Ihr seht – mein Näh-Wortschatz klingt schon ein bisschen professioneller als noch beim letzten Mal, learning by doing ist hier meine Devise. Oder besser „learning by asking mom“)

[ Ich hab nach ein paar Tüchern immer die Farbe der Fäden gewechselt, um ein buntes Endergebnis zu haben und habe dann mal spontan ausprobiert, wie es denn mit zwei verschiedenen Farben aussieht – also eine Farbe für Ober- und eine andere für Unterfaden – und ich fand das Ergebnis eigentlich ziemlich schick. Der Kreativität sind hier aber ja keine Grenzen gesetzt. ]

… und schon sind sie einsatzbereit. Der Mann war anfangs noch etwas skeptisch, beziehungsweise besser gesagt etwas scheu, die neuen Tücher auch wie ihre Vorfahren aus Papier einzusetzen – aber inzwischen sind sie (all)täglich im Einsatz. Bei leichter Verschmutzung wasche ich sie aus und lasse sie über Nacht trocknen, nach einigen Malen landen sie dann einfach mit in der Wäsche.

 

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der erste geburtstag.

Der erste Geburtstag. Ein Jahr soll das also gewesen sein. Für mich fühlt es sich immer noch nach „das war doch erst gestern“ an. Ein Jahr. Ein fabelhaftes Jahr. Aber auch anstrengend, stressig, bezaubernd, witzig, ehrlich, pur, schlaflos, authentisch. Tage an denen 24 Stunden nicht annähernd genug waren. An denen ich mir 5 extra Arme gewünscht hätte. So viele Momente, die ich gerne noch einmal erleben würde. Aber auch gleichzeitig so große Vorfreude auf das zweite verrückte Jahr mit dir! Hachz. Hallo Hormone. Ich merk schon, das mit den Hormonen hört auch nach einem Jahr noch nicht auf.

Am 13. März 2018 feierten wir den ersten Geburtstag der Tochter. Wir feierten ihn so, wie wir ihn für uns und vor allem für Ela immer in Erinnerung halten wollten. Wir wollten kein großes Ding, keine Sahnetorte für Ela (und kein Fotoshooting in glitzerndem Kleidchen), keinen Geschenkewahnsinn und nicht viele Leute, sondern die, die für Ela in diesem ersten Jahr wirklich wichtig waren. Auch wollten wir mindestens die Hälfte des Tages für uns. Nicht nur, damit Ela ihre gewohnten (Mittags-)Schlafzeiten für sich hat, sondern eigentlich, da dieser Tag ja für uns drei – nur für uns drei – eine ganz besondere Bedeutung hat.

Mein Mann hatte sich frei genommen, wir starteten ganz ruhig in diesen ersten Geburtstag. Für mich waren die Tage vorher ehrlich gesagt emotional noch aufwühlender, da ihre Geburt sehr sehr lange dauerte und ich somit schon am 11. und 12. stündlich sagen konnte, wo ich zu diesem Zeitpunkt ein Jahr zuvor war und wie es mir ging. Der 13. März allerdings wird mir immer als der Tag in Erinnerung bleiben, an dem ich endlich meine Tochter in den Armen halten durfte. Wir starteten also ruhig, bereiteten vor. Um 13:51 Uhr sangen wir, lagen uns in den Armen und tanzten durch die Küche. Ela lachte, ich weinte. Ein Jahr. Es ist verrückt.

Ich bastelte und nähte die Wochen vorher eine Geburtstagskrone aus Filz, diese wird nun jedes Jahr für hoffentlich sehr viele Jahre am Geburtstag gern von ihr getragen. Es war uns wichtig, jetzt schon Rituale zu schaffen. Deshalb stand auch dieses Jahr eine kleine Kerze auf dem Tisch, in dem Ring, in dem auch schon früher bei mir zuhause die Kerze stand, als einer von uns Kindern Geburtstag hatte. Von uns Eltern bekam sie einen kleinen Klang-/Glockenstab geschenkt, den sie aus der Musikstunde kennt. Sie liebt Musikinstrumente. Das Meilensteinposter ist von meiner sehr guten Freundin Jule.

Nachmittags kamen dann die Gäste, es gab einen zuckerfreien Bananenkuchen für Ela, (ebenfalls zuckerfreie) Süßkartoffel-Kekse in Form von 1en (die sind der Hammer!!) und für die Großen einen Zimtschneckenkuchen vom Blech. Da einige Gäste erst nach Feierabend dazukamen, wechselte das Buffet von Kuchen zu Abendbrot und es gab Elas Lieblingsessen, Frikadellen (als Mini-Burger), Lasagne-Cupcakes, Käse, Blaubeeren, Gemüsesticks mit Kräuterquark. Es war für jeden was dabei und alle wurden satt.

Geschenke. Ja, die sind nicht zu vermeiden und so soll das ja auch sein. Allerdings war ich die Wochen vor Elas Geburtstag schockiert, als ich gesehen habe, was momentan so „Trend“ ist – für einen ersten Geburtstag! – und uns war klar: so nicht! Von meiner Mama gab es die erste (selbstgenähte) Puppe, von meiner Schwiegermutter das erste Paar Schuhe. Von der Uroma ein Glockenspiel und von ihrer Patin ein Buch. Eine sehr gute Freundin überraschte uns mit wunderschönen selbstgenähten Bettschlangen für ihr Bett und Schleichtieren. Das wars. Geldgeschenke wandern in einen Fahrradanhänger/-sitz. Jedes dieser Geschenke wird seit diesem Tag täglich (!) bewusst und gerne von ihr bespielt. Mehr zu unserer „Spielzeugwahl“ schon bald.

Ach es war ein toller Tag – Ela war sehr sehr gut drauf, sie liebte es! Unter den Gästen waren auch die 3 Kinder enger Freunde von uns und die 4 zusammen verstehen sich super. Den Altersunterschied von 9 Monaten, den Ela zu den Zwillingen hat, merkt man inzwischen kaum noch. Als mein Mann dann auch noch die Seifenblasen zückte, war es endgültig vorbei. Unser Wohnzimmer war über und über mit Konfetti geschmückt, platzende Seifenblasen und Kinderlachen, das ansteckte. Dieser wundervolle Tag – der erste Geburtstag unserer Tochter – wird uns für immer in Erinnerung bleiben!

Eine Reiseseele ist jetzt Mama

„So much of who we are is where we have been.“ [W. Langewiesche]

Ich träume. Lande auf Instagram Profilen von Anfang 20ern mit umgebautem VW Bus an Stränden, Surfbrett auf dem Dach, Nudeln auf dem Gaskocher, die selbstgenähte Wimpelkette flattert im Sonnenuntergang, aus den hölzernen Lautsprechern des Buses klingt wahlweise Fat Freddys Drop oder Jack Johnson. Sehe Familien ihr Kind in der Trage durch Reisfelder auf Bali oder Teeplantagen in Indien spazieren. Kleinkinder, die im Sand Burgen bauen und nachts im Zelt erschöpft einschlafen. Ich kann die Wanderschuhe an meinen Füßen förmlich spüren, ich sehe mich an einem der Flughäfen dieser Welt stehen und am Gepäckband auf meinen Rucksack warten. Sehe uns Märkte genießen, Berge erklimmen, Schluchten erkunden, Buchten durchschwimmen. In einem knarzenden Bett zu summender Klimaanlage einschlafen, juckende Mückenstiche.

Woran das liegt, dass mich gerade jetzt Reisesehnsucht packt? Vielleicht weil ich weiß, wer ich bin „da draußen in der Welt“. Ich kenne mich. Wenn ich neue und unbekannte Orte leben darf bin ich erfüllt von tiefer Ruhe und Dankbarkeit, ich bade in dem Gefühl, plötzlich so klein und vermeintlich unbedeutend zu sein. Ich habe sehr viel gelernt, eigentlich hab ich auf Reisen alles gelernt. Ich wuchs. Neuseeland oder auch mein Leben in San Francisco sind zu einer Art „Fluchtpunkt“ geworden, zu denen ich mich träume, wenn mir hier die Welt zu groß wird. Auf Reisen bin ich so pur, unverfälscht, authentisch. Spätestens alle paar Jahre brauche ich diese Art von Neustart. Neu fokussieren, neu kalibrieren, wer will ich sein, wo will ich hin. Zuletzt in Nepal – als ich dieses atemberaubende (ha!) Land zusammen mit meinem Mann kennenlernen durfte, der Berg mich in die Knie und zu mir selbst zwang und so dafür sorgte, dass sich schon ganz bald danach das kleine Würmchen namens Ela auf die Reise zu uns machen konnte. Ich brauchte Nepal. Auch in Hinblick auf eine (damals schon geplante) Schwangerschaft.

„Tja.“ Ich höre es, dieses kleine Wörtchen von Bekannten, von „Freunden“ von früher. Es ist nicht immer ein „tja“ – aber es sagt immer, dass wir ja hätten wissen müssen, wenn wir uns für ein Kind entscheiden. Dass „vieles dann eben nicht mehr geht.“ Klar, ich leugne das gar nicht, einiges geht nicht mehr. Beziehungsweise einiges geht eben nicht mehr einfach so. Nicht mehr so barfüßig. Aber es geht. Auch Reisen geht. Anders, klar, aber es geht. Und es ist nun noch eine Spur größer und „erwachsener“, weil ich nicht nur (m)einen Mann an meiner Seite, sondern nun auch ein neugieriges Mädchen an der Hand habe.

Ich öffne die Augen. Ich spüre eine kleine himbeerverschmierte Hand auf meiner (frischgewaschenen) Hose und höre ein (sehr wichtig klingendes) „mama mama mama – da da da“, während diese kleine Hand auf und zu geht und noch eine von den Himbeeren fordert. Ich schaue an ihr runter, in Sand paniert und himbeerverschmiert strahlt sie mich an. „Glück“ steht ihr übers ganze Gesicht geschrieben.

Was passiert also mit einer kleinen Reiseseele, wenn sie Mama wird? Ein kleines bisschen leidet sie durchaus, da bin ich ehrlich. Weil ich die Welt „so wie damals“, jung und frei wie ein Vogel, nie mehr bereisen kann. Allerdings ist jetzt gleichzeitig die Dankbarkeit viel präsenter. Ich hab die Zeit genutzt, ich hab der Welt erlaubt, mich zu der zu machen, die ich tief in mir drin bin. Ich war an vielen Orten, habe sehr viele fremde Kulturen spüren dürfen, unfassbar viele Dinge erlebt, Situationen, die so schräg waren, dass ich auch heute noch schmunzeln muss, wenn ich darüber nachdenke oder im Reisetagebuch von damals blättere. Parallel zur Dankbarkeit wächst auch die Vorfreude auf all die Reisen, die wir noch erleben werden. Auf all die Orte, die ich meiner Tochter zeigen werde. Sie wird Berge sehen, Menschen kennenlernen, bunte Muscheln suchen und abends erschöpft zu summender Klimaanlage einschlafen.

Jetzt im Moment, heute und hier, bin ich erstmal mit Leib und Seele Ruhepol und Hafen für die kleine „Reisende“, die sich im März vergangenen Jahres in ihr größtes Abenteuer gestürzt hat. Ihre große Reise in dieses große Leben.

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less waste // DIY Reinigungspads

Überall wird es in den höchsten Tönen gelobt und gelebt. Mehr Minimalismus (welch Ironie). Mehr Achtsamkeit. Skandinavisch pur. Ich gebe es zu. Ich liebe es. Aber – zu meiner Verteidigung – nicht erst seit es angesagt ist, sondern schon seit einigen Jahren auf meine ganz individuelle Art und Weise. Für mich ist das eher ein Sammelsurium aus all diesen „Bewegungen“, die da draußen gerade so im Trend sind. Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, ökologisches Bewusstsein, Slow Food, Minimalismus, Less Waste. Durch den bewussten Umgang mit meiner Umwelt wurde mein (unser) Leben die letzten Jahre Schritt für Schritt aufgeräumter, achtsamer, klarer. Den Anstoß gab ein Beinahe-Burnout mit Mitte 20 im Jahre 2015. Es war eine sehr schwierige Zeit, umso stolzer bin ich heute, wenn ich mir bewusst mache, wo ich jetzt stehe. Es ist ein laufender Prozess und ich bin noch lange nicht da, wo ich mich sehe, aber der Weg ist das Ziel und es macht sehr sehr viel Spaß. Vor allem da ich spüre, wie gut uns das tut. Weniger, aber mehr Wert.

Mein erstes Projekt, das ich mit euch teilen möchte, sind selbstgenähte Reinigungspads. Super easy (ich bin ein absolut blutiger Anfänger an der Nähmaschine!) und absolut klasse! Keine Wattepads mehr, keine verfransten Abrisse der Klorolle, um den letzten Rest Mascara wegzubekommen. Wir haben schon seit einigen Jahren keinen Abfalleimer im Bad mehr (das half mir tatsächlich, weniger Badmüll zu produzieren) und die genähten Reinigungspads schubsen noch einen weiteren Schritt in eine müllreduzierte Richtung!

Ihr braucht dazu

  • Altes Handtuch, T-Shirts, …
  • rundes Gefäß (Tasse, Glas, o.ä.) zum Vorzeichnen des Kreises
  • Nähmaschine

Ich habe dafür auf alte, ausrangierte Handtücher mit Hilfe einer großen Tasse Kreise vorgezeichnet, diese anschließend ausgeschnitten und zusammengenäht, gewendet und die übrige offene Naht mit dem Matratzenstich (einfach mal googeln, das Schließen geht auch mit einer einfachen Naht, beim Matratzenstich allerdings sieht man später nicht mehr, wo genäht wurde) geschlossen. Ich sagte ja – super einfach! Am besten ihr nehmt Handtücher mit unterschiedlicher Struktur oder zum Beispiel für eine Seite ein T-Shirt, damit man beim Reinigen des Gesichts später eine gröbere und eine weichere Seite hat. Nach dem Reinigen wasche ich die Pads aus und lasse sie trocknen. Ich benutze sie mehrere Tage, bis sie einfach mit in die Wäsche fliegen. Und schick sind sie auch noch, wie ich finde.

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hallo frühling.

Inzwischen läufst du schon 5 Wochen. Hast endlich beide Hände frei diese Welt und den Frühling kennen zu lernen und zu begreifen. Die vergangenen Tage hast du den Frühling (oder er dich?) ordentlich um den Finger gewickelt, so dass er jetzt zu bleiben scheint. Endlich. Wir waren die letzten Tage so viel draußen. Haben den Garten entwintert, dein Spielhaus gekehrt, Beete umgegraben, angepflanzt. Wir haben Bärlauch gepflückt und zu Pesto verarbeitet. Du hast mir mit deinem kleinen Zeigefinger Zitronenfalter und Ameisen gezeigt noch bevor ich sie überhaupt sehen konnte. Ich habe dir deinen ersten Regenwurm auf die Hand gelegt und dir gezeigt, wie sich der Garten barfuß anfühlt. Verdutzt hast du mich angeschaut und die Zehen eingekringelt, als die Grashalme an deinen Füßen kitzelten. Gras, Holz, Stein. Wir haben draußen Joghurt gefuttert und in unserer neuen Hängematte den Himmel angeschaut. Du bist so unglaublich neugierig, da kommt dir der Frühling gerade recht.

Und ich? Ich ignoriere das ständige Niesen und Schniefen meiner heuschnupfengeplagten Nase und freue mich einfach auf dieses Frühlingswochenende. Auf warme Temperaturen und Sonne. Auf mit Erde verschmierte Hände und dreckige Fingernägel und auf das erste Grillen. Ach Frühling.

 

 

Alles. Außer gewöhnlich. Die ersten 100 Tage Mama.

Einhundert Tage. So lange ist Ela heute bei uns. Das sind schon über 3 Monate. Und erst jetzt habe ich so ganz langsam das Gefühl, dass ich jeden Tag etwas mehr in diesem neuen Leben als Mama ankomme.

8 Wochen dauert das Wochenbett „offiziell“. Aber ich finde offiziell gilt nicht, wenn man Mama wird. 8 Wochen gibt es Schonfrist. Dann war da plötzlich das Abschlussgespräch mit meiner Hebamme, die Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt („Alles wieder wie vorher.“). Allein dieses Wort „Abschluss“ klingt irgendwie so endgültig. Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett. Vorbei. Zurück in den Alltag. Jetzt als Mama, nicht mehr nur als Frau. Ich fühlte mich irgendwie wie ins kalte Wasser geschmissen. Zum Schwimmen lernen gezwungen. Jetzt bin ich Mama. Für „die da draußen“ ist jetzt alles eben so „wie vorher“. Jetzt mit Kind.

Nichts ist so wie vorher. Hinter mir liegt ein kleines – was sag ich da, sie ist schon so so groß – Babymädchen, strampelt unter ihrem Spielebogen, greift ganz bewusst nach ihren Spielsachen und gluckst vor Freude, wenn sie es wieder und wieder schafft.

Und ich? Ich lerne das Leben neu kennen. Ich höre nur noch meine Löwenmamaherz schlagen. Ich bin ein neuer Mensch, ich werde nie wieder die Laura sein, die ich mal war. Und die, die ich jetzt bin, muss ich erstmal noch so richtig kennen lernen. Diese neue Reise ist riesig. Ich hätte es tatsächlich nie gedacht, aber ja – das Leben dreht sich plötzlich bedingungslos um dieses kleine Wesen. Und die, die mich milde belächeln, weil sie das vielleicht albern und übertrieben finden – sind meist die Menschen ohne Kinder. Das ist überhaupt nicht böse gemeint, doch wie oft fand ich mich in den vergangenen einhundert Tagen in der Situation, andere Mamas plötzlich (meistens) so gut zu verstehen. Situationen nachvollziehen zu können, die auch ich früher milde belächelt habe. So viele Dinge und Situationen sind auf einmal so unwichtig. Dafür andere umso mehr.

Ich gebe zu, diese Reise ist manchmal so riesig, dass ich gar nicht mehr weiß wohin mit so viel Liebe, dass ich weine und schluchze, ob ich denn das alles richtig mache. Ela, zum Glück hast du so nen super starken Papa, der bedingungslos für uns da ist. Der dich durch die Wohnung trägt, wenn du dich einfach nicht beruhigen lässt und die Mama auch schon bitterlich mit dir weint. Der mit dir spazieren geht, damit die Mama mal in die Badewanne kann und danach noch ein bisschen für sich auf die Couch. Und der genau weiß, wann es uns – mir – „da draußen“ zu viel wird. Wann wir wir sein müssen. (Ein Papa, der das hier gerade auch liest – Danke. Du weißt.) Jede Familie geht ihren eigenen Weg, trifft ihre eigenen Entscheidungen. Entscheidungen, die ich – nur weil ich jetzt Mama bin – nicht unbedingt nachvollziehen muss, aber wir machen das verdammt perfekt mit dir, meine Tochter. So wie jede Mama das verdammt perfekt für ihre kleine Familie macht. Löwinnen eben.

3 Versionen Laura – Mama, Partnerin, Frau – das muss ich erstmal alles unter einen Hut bringen. Da sind so viele Träume und Wünsche, manche davon bleiben einfach momentan auf der Strecke. Es ist so spannend, sich selbst in diesem ganzen Gewusel von Mamakram wieder zu finden und sich neu kennen zu lernen. Und ich hab mich noch nie so auf die Zukunft gefreut.

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Und dann – ja da liegt ein kleines Mädchen. Sie lacht und strahlt bis über beide Ohren, wenn sie mich sieht. Sie schläft am Liebsten auf der Seite und immer mit ihrem Tuch im Gesicht. Sie hat ihre Hände (und fast auch schon ihre Füße) entdeckt und greift nach mir, möchte mich näher bei sich haben. Sie zeigt mir, dass das Leben so so so schön ist. Dass da eine neue Art von Liebe ist, die ich bis dato noch nicht kannte. Sie ist es, die mir am meisten hilft, in dieser neuen Welt anzukommen. Innezuhalten. Klitzekleine Momente zu genießen. Ela, du bist das Beste was uns je passiert ist. Das Allerallerbeste. Danke, dass du mich endgültig zu dem Menschen gemacht hast, den ich schon so lange gesucht hatte. Intuitiv bin ich deine Mama. Durch dich bin ich ich. Vollkommen. Angekommen.

von 0 auf Mama in…

… na gut. 40 Stunden. 40 Stunden Wehen. Auf und ab spazieren. Atmen. Festhalten. Baden. Fluchen. Hände halten. Schreien. Durchhalten.

Und plötzlich bist du da. Ganz nah bei mir. Bei mir. Deiner Mama. Ich weine. Vor Erleichterung, vor Stolz, vor so unfassbar viel Liebe. Das Leben ist schlagartig ein anderes. Du – unsere Tochter – hast die Welt auf den Kopf gestellt. Und wir stellen fest, dass sie so herum viel besser aussieht. Wie war das denn nochmal vorher?

Ich komme jetzt mit weniger Schlaf aus. Ich liebe es, wenn ich dich stille und deine kleine Hand nach meinem Finger greift. Wenn du träumst und deine Schnute so verziehst. Wenn der Papa dich durch die Wohnung trägt und dir Dinge erzählt, „Schau Schatz, das ist die Pinnwand und hier drüben – das ist der Gaszähler“ und du ihn ganz aufmerksam mit deinen großen Augen anstrahlst – ach ich könnte stundenlang nur schauen und staunen. Du wirst ruhig, wenn du auf meiner Brust einschläfst. Du reagierst auf meine Stimme. Und du wirst immer aktiver. Schaust mit deinen Augen die Welt an und dann wieder mich – als würdest du mir tausend Dinge erzählen und mich in deine Welt mitnehmen wollen. Ich kann es kaum erwarten, dir die Welt zu zeigen.

Ich hatte 40 Wochen (+12 ganz schön lange extra Tage) Zeit, mich darauf vorzubereiten, mir vorzustellen, wie das so werden könnte mit Kind, als Mama, als Familie. Man sollte also meinen, dass ich bestens gewappnet war. Pah – nicht den Hauch einer Ahnung hatte ich. Es ist wundervoll. Es ist anstrengend, aufregend, neu, überwältigend und es ist so so wundervoll.

Ela. 13. März 2017. 13:51.