nepal. kathmandu.

Kathmandu ist absolut durchgeknallt. Ein bisschen wie Delhi. Groß. Nein – rießig. Laut. Staubig. So viele Menschen. Und so nett. Im Ernst – das ist etwas, was ich wirklich mal loswerden möchte. Sowohl in den Bergen, als auch in Kathmandu – das ist ein so unglaublich nettes Völkchen. Ja, uns quatschen regelmäßig Leute an, die uns was verkaufen möchten, aber bei einem gelächelten „Nein danke“ hört jeder auch auf. Kein krampfhaftes hinter-uns-herlaufen. Bist du nett, sind sie nett. So einfach ist das. Sie haben so viel Spaß am Tourismus und ich finde den dürfen sie auch haben.

Kathmandu ist keine Stadt für 2 ganze Wochen. Kathmandu ist eher so eine Art Reise-Drehkreuz. Man kommt dort an, man verbringt dort einige Tage und dann geht’s von dort weiter ins Land. Man kommt zurück, genießt die letzten Tage und fliegt dann wieder zurück in die Heimat.

Unterkunft. Nachdem wir uns bei unserer Ankunft in unser kleines Bed&Breakfast absolut verlieben, ist relativ schnell klar, dass wir hier auch bleiben werden für die Tage, die wir während den 4 Wochen zwischendurch immer in Kathmandu haben. Warum denn lange suchen, wenn man sich so wohl fühlt. Es ist so schön gemütlich, es fühlt sich fast an, als würde man nach Hause kommen. Mitten im verrückten Thamel, durch ein paar kleine Nebengässchen und plötzlich in einer kleinen Oase, ein grüner Garten, Gebetsfähnchen, Platz zum Entspannen, Frühstück im Freien und ein herzliches „Namaste“ vom Hotelinhaber. Hatte ich erwähnt, was für ein nettes Völkchen diese Nepalesen sind?

Thamel. Wenn du Touristen suchst, du findest sie in Thamel. Souvenirs shoppen, Ausrüstungsgegenstände fürs Trekking, Trekkingtouren, Hostels ohne Ende, Bars, Restaurants, … Das alles ist Thamel. Für ein paar Tage macht es wirklich richtig richtig viel Spaß, aber ich kann nicht nachvollziehen, weshalb manche in den Hostels da mehrere Wochen „versumpfen“ (wobei, ich hab da so meine Theorie – das wird der nächste Beitrag). Unser B&B liegt am etwas ruhigeren Rand von Thamel und unser mini-kleines, nepalesisches Lieblingsrestaurant ist gleich um die Ecke. Nach 2 Wochen Stille in den Bergen wieder in Thamel anzukommen, ist dann eine interessante Erfahrung – mit so viel Ruhe in mir ist Thamel zu laut. Schnell Souvenirs shoppen und dann wieder auf die Dachterrasse eines Restaurants verkriechen, ein bisschen Abstand.

Swayambhunath. Monkey Temple. Schönes Fleckchen. Wir laufen von Thamel aus (so sieht man auch ein bisschen was vom „echten“ Kathmandu) und sind dann – oben angekommen – nachdem wir die Stupa mehrmals (im Uhrzeigersinn) umrundet haben, in eines der Cafés und genießen mit Papaya-Lassi in der Hand den Blick auf die Stupa und auf diese rießige Stadt von oben. Manchmal sieht man sich plötzlich in einer Situation, in der man weiß, dass man für genau diesen Moment alles richtig gemacht hat. Das da oben ist so ein Moment. Und es folgten noch unendlich viele solche Momente in unseren 4 Wochen in Nepal. 

Pashupatinath. Einer der wichtigsten Tempel des Hinduismus, an einem Fluss gelegen und Schauplatz von Verbrennungen von Verstorbenen. Und ein Ort, an dem der Tod deshalb sehr präsent ist. Pashupatinath ist rund um die Uhr geöffnet, da nach hinduistischem Glauben ein Verstorbener innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden sollte. Nepalesische Hilfsarbeiter, die auf Großbaustellen im Ausland ums Leben kommen, werden – wortwörtlich – in eine Kiste gepackt und mit dem nächsten Flieger direkt nach Nepal zurück geflogen. Addressiert an Pashupatinath, von dort werden dann die Verwandten hinzugerufen, es muss – je nach Dauer der Überführung – unter Umständen jetzt schnell gehen. Es ist eine beeindruckende, sehr alte Tempelanlage (einige Teile darf mal als Nicht-Hindu nicht betreten), es hüpfen Affen rum, man begegnet Gurus, die sich für Geld auch fotografieren lassen, Touristen ohne Ende. Zwischendrin Trauergesellschaften, die singend und klatschend in den Tempel ziehen. Ein Pickup bahnt sich rückwärts durch die Touristenmenge, der Kofferraum geht auf und eine nur in Tüchern gewickelte Leiche  wird herausgehoben und an uns vorbeigetragen. An der Wand eines Gebäudes hängt eine Tafel, eine Preisliste der verschiedenen Holzsorten. Brenndauer, Rauchbildung, Geruchsbildung. Dieser geschäftige Umgang mit dem Tod ist schon etwas, das man verdauen muss. Ist doch der Tod bei uns ein Thema, mit dem man sich erst sehr spät und sehr ungern auseinander setzt, ist das hier in Nepal Teil des Alltags. Dieses Leben ist vorbei, das nächste steht bevor. Also eigentlich kein Grund zur tiefen Trauer. Klar, man vermisst den Menschen, aber man hat – im Glauben verankert – gleichzeitig die Gewissheit, dass es für denjenigen auf der Erde noch weitere Leben gibt. So sitzen wird da also in Gedanken versunken, während am Fluss ein junger Nepalese den Scheiterhaufen vorbereitet, Holz schichtet und Reisig bündelt. Die Feuerstelle nebenan ist noch frisch, ein junger Mann steht bis zu den Knien im grau-braunen Fluss und gräbt mit einer Schaufel nach Metallen, Gold, Zähnen. Eine Stimmung, die nur sehr schwer für mich greifbar war.

Die restlichen Tage, die wir in Kathmandu verbringen, lassen wir uns einfach nur treiben. Wir sind am Durbar Square in Lalitpur, besuchen ein Museum. Wir genießen eine Tasse Tee auf einer Dachterrasse an der Boudhanath Stupa – die gerade noch im Wiederaufbau ist. Wir kaufen mit der Schwester unseres Yogalehrers Souvenirs und schlendern durch einen Supermarkt, in dem nur Nepalesen einkaufen. Wir sind bei ihrer Familie und essen gemeinsam. Wir stapfen erneut die hundert Stufen zum Monkey Temple, einfach weil wir nochmal schauen wollten. Kathmandu sehen. Wir essen Chicken Falafel in Thamel und verkriechen uns danach mit dem Buch 2 Stunden im Garden of Dreams . Wir sind einfach nur da.

Was für eine verrückte Stadt. Und doch so herrlich angenehm verrückt.

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