nepal. trekking himalaya.

Wir sind wieder zurück. Schon ganze zwei Wochen und inzwischen ist auch der Kopf wieder hier angekommen. Es war fantastisch. Absolut fantastisch. Von unseren 4 Wochen in Nepal verbrachten wir 2 auf dem Trek, eine in Pokhara und eine in Kathmandu.

Trekking Nepal Himalaya. Everest Base Camp Trek. We did it. Und es war jedes Ziehen, jeden sauerstoffarmen Atemzug, jeden einzelnen Schritt Wert. Am Basislager des Mount Everest zu stehen ist eine kulturelle Erfahrung der ganz besonderen Art. Zurück ins Tal zu schauen und zu wissen wo man herkommt. Von ganz da unten.

Mit dem Flug nach Lukla ging alles los, eine kleine Twin
Otter Maschine landet dort am Tenzing Hillary Airport und hat uns als 2 von 14 Passagieren dabei. Wir sind sowohl ohne guide als auch ohne Träger unterwegs. Nur wir zwei. Auch wenn der Flughafen absolut mini ist, spürt
man sofort, was das hier ist. Geschäftiges Treiben. Hier landen Trekker, hier landen Expeditionen, hier landet Cargo aus Kathmandu. Wer von nepalesischer Seite zum Everest will, muss hier anfangen. Lukla liegt auf 2860m und das allein ist schon irgendwie verrückt. Das ist also schon fast die Höhe der Zugspitze und Lukla gilt trotzdem als ein Dorf im Tal. Hier gibt es Shops, Lodges, Cafés, Restaurants, die Büros der Fluglinien und unendlich viel mehr. Hier wird Landwirtschaft betrieben, Gemüse angebaut, Vieh gehalten.2016_Nepal_0122

Von Lukla ging es für die erste Nacht nach Benkar (2710m) und an Tag 2 dann von dort  in den Sagarmatha Nationalpark (in dem der Everest liegt) und nach Namche Bazaar (3440m) – unseren ersten Akklimatisations-Stop. Der Trek von Benkar nach Namche war dann das erste mal so richtig schön anstrengend, 800 Höhenmeter eben – wie ich später feststellen durfte aber kein Vergleich zu dem was wir noch vor uns hatten. Namche ist das letzte große Dorf mit unendlich vielen Hotels, Restaurants, Shops, Schulen etc. bevor es so richtig in die Berge geht. Sowohl auf dem Weg nach oben, als auch auf dem Rückweg haben wir hier 2 Nächte verbracht. Der wöchentliche Markt versorgt die umliegenden Lodges (bzw. die europäischen Trekker) mit Lebensmitteln, Getränken und allem anderen was ein Trekker auch da oben noch haben will. Schon irre – Händler kommen aus allen möglichen Dörfern der Umgebung, vieles wird aus Kathmandu nach Lukla geflogen und von dort von Sherpas und Yaks auf dem Rücken nach Namche getragen, hunderte von Kilo Lebensmittel.

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Von Namche ging es über Tengboche (3870m), Dingboche (4360m) und Lobuche (4930m) nach Gorak Shep (5160m). Wenn ich jetzt so im Nachhinein durch meine Reisenotizen blättere, dann wird mir klar, dass ich das gar nicht als „an Tag 1 waren wir da, dann ging es an Tag 2 nach…“ erzählen kann und das auch gar nicht wollen würde. Es war der Trek zum Everest Base Camp, man muss das einfach als Ganzes teilen.

Die Landschaft. Atemberaubend. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. In Lukla noch ganz normale Vegetation, Wälder, Wiesen, Felder. In Gorak Shep dann nichts mehr. Ein bisschen Moos und letzte Gräser. Die Landschaft ist tatsächlich der Knaller. Es ist und bleibt das Dach der Welt, diese Berge, die Wege an Bergen entlang, durch Täler und Flüsse, wieder hoch, grasende Yaks. Gletscher, Moränen, Geröll. Ach ich weiß überhaupt gar nicht, wie ich das treffend beschreiben kann, aber diese Natur ist so unbeschreiblich schön und (be)ruhig(end).

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Die Höhe. Ja, diese Höhe. Wir hatten zwar in Kathmandu noch (für nen schlappen Euro) Diamox (das Höhenmedikament) gekauft, es aber glücklicherweise nicht gebraucht. Wir wollten uns – und somit unserem Körper – einfach genügend Zeit geben und haben 3 Akklimatisationstage eingebaut. Tagsüber passt der Körper die Atemfrequenz an die Höhe an, nachts im Schlaf atmet der Körper ruhiger und somit kann es in der Höhe manchmal frühs – aufgrund von zu wenig Sauerstoff – zu Kopfschmerzen kommen. Ich persönlich hatte die nur wirklich ganz oben und auch nur kurz nach dem Aufstehen, beim Frühstück waren die Kopfschmerzen meistens schon wieder weg. Was man merkt – oh ja! – ist die Sauerstoffunterversorgung der Muskeln. Es wird irgendwann einfach verdammt anstrengend. Selbst das Gehen auf ebenen Flächen. Man merkt bei jedem Schritt, dass der Muskel nichts mehr hat, von dem er sich ernähren kann. Ich kam mir manchmal tatsächlich dämlich vor, was wir uns in der Höhe über Flächen geschleppt haben, im absoluten Schneckentempo und dennoch am Ende unserer körperlichen Kräfte. Es ist eine unglaublich interessante Erfahrung, die ich so noch nie vorher erlebt habe. Da weht einem so viel klare Bergluft um die Nase und der Körper kann nur minimal was damit anfangen.

Everest Base Camp. In Gorak Shep angekommen, Lodge suchen, Rucksack abladen, ging es für uns noch am selben Nachmittag zum Basislager. Das Lager liegt auf 5340m am Fuße des Khumbu Icefall (der den Khumbu Gletscher speist) und ist im Endeffekt nur eine Ansammlung von orange-gelben Zelten für Unterkunft und Versorgung von Expeditionen, die sich dort zum einen akklimatisieren und zum anderen darauf warten ins Lager 2 (dann 3, dann 4, dann Gipfel und zurück) aufsteigen zu können. Und dann wir. Blutige Anfänger. Wir nähern uns ganz vorsichtig dem Lager, respektieren Expeditionen und wollen eigentlich gar nicht stören. Wir bleiben in der Nähe und fallen uns erschöpft und unendlich glücklich in die Arme. Hey – we did it. Wir haben es geschafft. Und wir kommen von ganz da unten. Auch wenn man vom Basislager den Everest selbst gar nicht mehr sieht – die Stimmung ist rießig. Da sind dann plötzlich ein Kloß im Hals und (bei mir – immerhin bin ich die Frau von uns beiden) Tränen in den Augen. Ich könnte platzen vor Ehrfurcht, vor Stolz, vor Begeisterung. 

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Am nächsten Tag hatten wir ein letztes Ziel. Sonnenaufgang auf dem Kala Pattar. Auf knapp 5500 m. Die Bergkette bestaunen, in der der Everest nur einer von vielen 8000ern ist. Sonnenaufgang heißt Wecker um 04:15. Schlafen auf über 5000 m heißt kalt. Kalt heißt schlappe -17 Grad Celsius Außentemperatur und immerhin noch wohlig warme -9 Grad Celsius Zimmertemperatur. Man kann sich vorstellen, wie viel Lust wir hatten aus dem Schlafsack rauszukriechen. Das Positive: man hat nachts eh schon so gut wie alles an, was man dabei hat. Man muss nur noch Schuhe und Handschuhe anziehen, Zähne putzen, die Trekkingstöcke schnappen und loslaufen. Haha. Das war der Moment an dem mich der Berg in die Knie gezwungen hat. Das frühe Aufstehen, Kreislauf hochfahren, klirrend kalte Temperaturen und viel zu wenig Sauerstoff auf über 5000 m. Mir war kalt, schwindelig, schlecht, es war unendlich anstrengend. Nach etwa 2/3 des Kala Pattar haben wir dann unseren persönlichen Gipfel erreicht. Die Aussicht war atemberaubend. Der absolute Wahnsinn. Die Sonne ging langsam auf, der schwarze Nachthimmel wurde erst violett, dann dunkelblau – diese Bergkette. Wow. Hier sind wir also. Das da vor uns sind die höchsten Punkte der Erde. Ich steh auf knapp 5 1/2 tausend Metern Höhe und die Berge vor mir sind immer noch so rießig. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Von da aus ging es für uns dann wieder nach unten. Wir sind förmlich geflogen. Jeder Schritt, jeder Höhenmeter gibt uns mehr Sauerstoff, mehr Energie – wir atmen das Leben, strahlend, überglücklich und mächtig stolz sind wir auf dem Weg nach unten. Den Rucksack spürt man kaum noch. Die Beine dafür endlich wieder.

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