alive.

Wenn man die 10- oder auch die 15-jährige Laura gefragt hätte, wo sie sich mit Mitte 20 sieht, dann wäre die Antwort folgende gewesen. Glücklich, verheiratet mit einem fantastischen Mann, Mutter eines Kindes (und das zweite unterwegs), ein kleines Haus im Grünen, Baum, Hund.

Doch dann kam das Leben dazwischen. Pubertät, Schulwechsel, Abschluss, Ausland, Ausbildung, Auszug, Ausland, Studium. Ich habe schon so viel gesehen, durfte Fuß auf jeden Kontinent setzen und doch ist mein Leben nicht das, welches mir die kleine Laura vorhergesagt hat.

Als ich nach meinem zweiten langen Auslandsaufenthalt aus den USA wieder zurück in Deutschland war, traf ich einen Freund von früher. Was er sagte, hat viel in mir ausgelöst. „Wow, du hast dich aber verändert. Dir geht es gut, das sieht IMG_6675man dir richtig an.“ Er war fast sprachlos und doch hat er eigentlich nur das auf den Punkt gebracht, was tatsächlich passiert war. Es ging mir gut. Und ich hatte mich verändert. Ich war erwachsen geworden. Und zwar nicht nur durch das vermeintlich „Offensichtliche“, wie Schulabschluss, Auszug etc. sondern durch das Leben. Mein Leben im Ausland, mein Austausch mit neuen Kulturen, mein Umgang mit Menschen, Trennungen, Neuanfänge, mein „mit-offenen-Augen-durch-die-Welt“.

Und „trotzdem“ war ich so langsam doch dann Mitte 20 und (wieder) ohne Mann. Es kam viel (eher mitleidiges) Verständnis von allen Seiten, ich solle erstmal in Ruhe in Deutschland ankommen, mich wieder einleben, das Studium organisieren, im Nebenjob einen Platz finden. „Tu was gut für dich ist. Du hast doch noch Zeit.“ Ja – aber das impliziert doch auch, dass ich anscheinend irgendwann keine Zeit mehr habe, oder? Wofür eigentlich? Fürs Erwachsenwerden? Ich führe mein „Mitte 20 – Leben“ nicht in Traurigkeit. Ich bin mehr als glücklich. Ich habe Freunde gefunden, Männer getroffen, Spaß gehabt, manchmal zu viel Emotion investiert, manchmal wahrscheinlich auch zu wenig. Ich habe mein Leben wunderbar im Griff. Ich weiß wie es ist, alleine zu sein und ich kann das. Und alleine heißt eben nicht, traurig auf der Couch zu sitzen und nicht mehr zu wissen, wo man eigentlich hin will.

Gleichzeitig mit dem Verständnis, welches mir von Familie und Freunden entgegengebracht wurde, kam aber auch das Gefühl, mich ständig rechtfertigen zu müssen. Für die Entscheidungen, die ich getroffen habe, die aber keiner so wirklich verstehen kann – oder will. Sei es die nicht abgeschlossene Ausbildung, die vielleicht naive Entscheidung 1 Jahr in die USA zu gehen, danach „nur“ zu studieren. Ich hatte das Gefühl, überzeugen zu müssen, dass ich doch tatsächlich glücklich bin „so wie es ist.“ Ohne Partner also. Und dabei war ich oft von Beziehungen umgeben, die so dunkel waren, wo die Aufrichtigkeit verloren gegangen ist und der Blick für den anderen komplett fehlte. Beziehungen, die geführt wurden und werden, just because.  

Ich bin mir mehr wert. Mein Leben ist mir mehr wert, als mich für etwas aufzugeben, nur damit es da ist, mein Leben endlich „nach Plan läuft“ und ich erwachsen werde. „Erwachsen“ ist also Mann/Kind/Haus/Baum/Hund mit Mitte 20? Auf gar keinen Fall.

Erwachsen sein, das bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen. Für Dinge, die unter Umständen gnadenlos in die Hose gehen. Sich nicht mehr rechtzufertigen, für was auch immer. Sich trennen können von Wegen, die man nicht mehr gehen will. IMG_9162Von Freunden, die keine mehr sind. Und Neues zu wagen. Jeden Tag und immer wieder. Ich lasse mir nicht von meinem Alter vorschreiben, wie mein Leben zu verlaufen hat. Und hey – wenn das heißt, dass da mit Mitte 20 schon Mann und Kind ist, dann ist das doch genial. Solange du dich auf dem Weg dahin nicht selber verloren hast. Und du dich immer noch als etwas Besonderes siehst. Und nie aufhörst, erwachsen zu werden. „Erwachsen werden“ beinhaltet „wachsen“. Und bitte hör nie damit auf. 

Von der Vorhersage, die mein früheres Ich über mein Mitte-20-Leben getroffen hat, stimmt jetzt – mit 27 – der Teil mit dem glücklich. Verdammt glücklich. Weil ich mich immer als etwas Besonderes gesehen habe. Als eine, die es verdammt noch mal wert ist, Priorität zu sein – und nicht nur Option. Ich bin genau da, wo ich hingehöre. Und das liegt genauso an den vernünftigen Entscheidungen, wie auch an verdammt unvernünftigen. Das liegt daran, dass ich mich zu 100% auf mein Leben einlasse.

[Ok – der Teil mit dem fantastischem Mann stimmt auch : ) Ich musste aber erst zu der werden, die ich heute bin und dann – und erst dann! –  konnte ich einen Mann und Partner finden, der mich wirklich sieht, ohne sich selbst aus den Augen  zu verlieren. Jeder andere Mann zu jedem anderen Zeitpunkt wäre für mich unsichtbar geblieben. Karma. Hilfe, klingt das doof. Aber ich glaub dran.]

Und auch wenn manche nach wie vor meinen, dass mein Leben nicht „Mitte 20“ entspricht – ich bin erwachsen! Und zwar jeden Tag, jede Stunde und jede Minute schon etwas mehr als noch zuvor.

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