menorca.

Wir waren dann mal weg. Die Balearen, genauer gesagt: Menorca. Die kleinere, ruhigere, zurückgezogene und oft unterschätzte Schwester von Mallorca sollte es werden. Und es war ein Traum.

Nach einem relativ flotten Start in diesen Urlaub („Hopp auf, da steht schon unser Transfer zum Flughafen“, schnell Sachen aus dem Auto, in den Bus rein, halt, doch noch mal zurück, Licht im Auto an, …) sind wir nachts sicher auf Menorca gelandet und haben schon ganz gespannt aus dem Bus auf eine stockdunkle Insel geschielt, um einen IMG_4983ersten Blick zu erhaschen. Wir waren hochmotiviert. Und das sollte auch so bleiben, nachdem der frühe Vogel in mir am nächsten Morgen um 07.00 festgestellt hat, dass ich vom Schlafzimmer und von der Terrasse im Wohnzimmer aus… DAS MEER SEHEN KANN. Umso schneller hatte ich dann den Mann aus dem Bett, im Urlaub wird nicht der halbe Tag verschlafen, wir wollen was sehen.

Die folgenden Tage haben wir uns Stück für Stück in diese Insel verliebt. In Buchten und das glasklare Meer, in Dörfchen, die malerisch über die Insel verstreut sind, in die Gastfreundschaft der Menorquiner und in den Cami de Cavalls.

Der Cami de Cavalls ist ein Rundwanderweg, der sich einmal umIMG_4832 die ganze Insel schlängelt und dabei sowohl durch Steineichenwälder, über Stock und Stein und auch an traumhaft türkisen Buchten vorbeiführt. Gleich am ersten Tag sind wir losgezogen, in Son Bou auf den Cami aufgesprungen und bei blauem Himmel in Richtung Cala en Porter marschiert. Der Weg ist sehr gut ausgezeichnet und ausgebaut, verlaufen ist (eigentlich) unmöglich. Die für Menorca typischen Einfriedungen aus Stein und die (für den Cami typischen)  alten Holzgatter, haben uns schon sehr früh ein Gefühl von Ruhe und Freiheit vermittelt. Kaum von der Straße weg ist man für sich, umgeben IMG_4848nur vom Rauschen des Meeres und dem Wind, der durch uralte Bäume pfeift. Wir waren noch nicht lange unterwegs, musste ich feststellen, dass sich Menorca schon gelohnt hat – selbst wenn ich am gleichen Tag noch zurück hätte fliegen müssen. Spätestens als ich in Cala en Porter mit den Füßen im Meer stand, war ich angekommen. Ich hätte quietschen können vor Freude und Zufriedenheit.

Und genau so sollte es auch bleiben. Mit ganz viel innerer Zufriedenheit, selbst wenn der Schuh reibt oder die Beine schon blutig verkratzt sind auf der Suche nach ner Abkürzung der Abkürzung.Eine Bucht ist hier auf der Insel schöner als die andere. Ob Cala Mitjana, Trebalúger, Talaier, Turqueta oder auch Macarella beziehungsweise Macarelleta – jede für sich traumhaft. IMG_4888Und wir haben jede einzelne genossen, am meisten natürlich die, die nicht (oder nur schlecht) mit dem Auto erreichbar sind sondern nur zu Fuß oder per Boot. Meine absolute Lieblingsbuchten waren aber die Cales Coves. Gleich am ersten Tag sind wir da noch hingeklettert. Kaum dort angekommen wusste ich, dass die das ist. Es waren ein paar wenige Leute da, aber es war so ruhig, als hätte jemand die Lautstärke runtergedreht. Ein Segler lag vor Anker, die Familie dazu hatte sich in der Bucht verteilt, Mama lag auf Deck und hat gelesen, der Papa dazu am Boot rumgearbeitet, die Kinder schnorcheln oder angeln. In einer Seelenruhe, es war Wahnsinn. Wir haben uns ein Plätzchen gesucht, eine kleine Brotzeit gemacht, den Kletternden hinter uns am Felsen zugeschaut und wir waren einfach nur da. Zu 100%. Angekommen. Und so weit weg. Als hätte jemand beim Alltag auf Pause gedrückt. Und uns so dazu gebracht, das Leben bewusst wahrzunehmen. Und wenn man bewusst sieht und fühlt – dann hat man unendlich Zeit.

IMG_4902Menorcas Städte sind ziemlich schnell alle aufgezählt. Maó und Ciutadella. Alles andere sind eher Dörfer oder Kleinststädte und selbst die zwei Großen sind (in Bezug auf die Größe) nicht mit den Städten auf Spaniens Festland oder denen des restlichen Europas zu vergleichen. Wir haben uns den Regentag der Woche ausgesucht, um sowohl Maó als auch Ciutadella zu besuchen. Da die Insel ingesamt nur etwa 50km lang ist, kann man durchaus an einem Tag beide Städte besichtigen – obwohl Maó am östlichen und Cituadella genau gegenüber am westlichen Ende der Insel liegt (wir haben sogar noch einen Abstecher zurück zur Wohnung und an die Schlucht Caló des Rafalet geschafft – und zwar ohne Hektik). Beide sind die Definition von Städten Südeuropas, verwinkelt, alte Häuser in Terrakotta-Tönen, kleine Märkte auf denen die Händler Fisch, Fleisch, ObsIMG_4908t und Gemüse an den Mann und an die Frau bringen, kleine Läden, zum Teil sehr touristisch, aber zum Teil auch tatsächlich menorquinische Unikate.

Allerdings – und diese „Tatsache“ hat uns die ganze Woche begleitet – ist der Oktober doch deutlich zu spüren. Es ist nun mal keine Hochsaison mehr, viele Märkte, auf die wir uns gefreut haben, fanden gar nicht erst statt, einige Läden haben verkürzte Öffnungszeiten – oder machen erst gar nicht mehr auf. Auch in den (touristischeren) Küstendörfchen wird das deutlich. Viele (Ferien-) Wohngebiete sind wie ausgestorben, die Klappläden zu, die ParkpläIMG_4999tze leer. Auch am Strand war das zu spüren. Durch einen nächtlichen Sturm mit viel Regen sind wir in den folgenden Tagen an Strände gekommen, an denen sich das Meer zwar langsam schon wieder beruhigt hatte, die Spuren am Strand allerdings noch sichtbar waren – durch aufgewühlte Algen, etc. oder das ein oder andere umgekippte Boot. Wo im August vermutlich sofort jemand gekommen wäre, der den Strand aufgeräumt und das Lifeguard-Häuschen wieder besetzt hätte, kommt doch im Oktober keiner mehr und alles bleibt sich selbst überlassen. Wir haben viel und oft darüber geredet und sind letztlich zu dem Schluss gekommen, dass das aber alles gar nicht so schlimm ist. Ja klar, alles ist leerer. Aber dafür sind wir meistens alleine. Auf IMG_4960unseren (teils ausgiebigen) Wanderungen kam uns selten jemand entgegen, in manchen Buchten waren wir komplett alleine und „diese paar Algen“ auf dem Weg ins Meer haben noch niemandem geschadet. Noch dazu lag die Maximalbelegung am Pool unserer Anlage in etwa bei 5 Personen – uns zwei eingeschlossen. Im August brauche ich das nicht – da liegen dann zwar keine Algen am Strand, aber dafür dann umso mehr Menschen.

to travel is to live

… und das haben wir beim Wort und uns zu Herzen genommen. Leben. Mehr braucht es eigentlich nicht. Man muss es sich nur bewusst machen. Mit wie wenig wir glücklich sind. Und zufrieden. Ich habe in diesem Urlaub so viel Kraft getankt wie selten zuvor. VieIMG_5001lleicht weil wir so aufmerksam waren. Weil wir einfach mal haben wirken lassen, was da so um uns rum ist. Das Meer, diese kraftvolle Ruhe. Auch wenn der Mückenstich juckt und die Kratzer an den Beinen nerven, die salzigen Haare überall rumfliegen, nur nicht da, wo sie hinsollen und der kleine Sonnenbrand auf der Schulter doch ein bisschen mehr ziept als geplant – das Leben ist der Wahnsinn und wenn man schafft, sich das ein für alle mal klar zu machen, dann kann kommen was will, oder nicht?


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